Reiner Zieschank (Vorstand der DVB AG, v.l.), Martin Dulig (Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr), Prof. Dr.-Ing. Niels Modler (Vorstand des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik der Technischen Universität Dresden) präsentieren die neuen Leichtbauräder. Bild: J. Herrmann

Mit Wärmepumpe an Bord

Die Dresdner Verkehrsbetriebe ziehen ein erstes Zwischenfazit eines völlig innovativen Hybridbusses.

Zur Ergänzung des leistungsfähigen elektrischen Stadtbahnnetzes stellen Hybridbusse für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) einen sinnvollen Zwischenschritt auf dem Weg zum Elektrobusbetrieb dar. Die Herausforderung besteht heute in der Erweiterung rein elektrisch zurückgelegter Strecken. Das schont Ressourcen und steigert die Wirtschaftlichkeit.

Während die Entwicklung effizienterer Batterien weltweit in vollem Gang ist, verfolgen Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden (TUD) und Fachleute der DVB im Rahmen des Projektes "Pilotlinie 64" gemeinsam zwei andere vielversprechende Ansätze: Zum einen muss die im Bus vorhandene Energie besser genutzt werden. Zum anderen soll die Fahrzeugmasse verringert werden. Diese Forschungen werden von den Fahrzeugherstellern mit großer Spannung verfolgt.

Erste Zwischenergebnisse des Projektes wurden am Freitag (28. Aug. 15) im Busbetriebshof Dresden-Gruna der Öffentlichkeit vorgestellt. Was Hausbesitzer schon lange kennen, findet jetzt auch bei einem DVB-Linienbus vom Typ MB-Citaro G BlueTec Hybrid Anwendung: Das Prinzip der umweltfreundlichen Luft-Wärmepumpe. Diesen Stand der Fahrzeugtechnik kann man deutschlandweit bisher nur in Dresden finden. Neben dem Antrieb verbrauchen Heizung, Lüftung und Kühlung die meiste Energie im Bus. Schon in der Übergangszeit wird im Wagen geheizt, im Winter noch mit einer Heizöl-Zusatzheizung. Im Vergleich zu Dieselbussen, deren ständig laufender Motor mit viel Hubraum eine größere Energiemenge zur Heizung liefert, verbrauchen Hybridbusse mit ihren kleinen nur zur Nachladung der Batterien bestimmten Maschinen im Winter knapp zehn Liter Heizöl pro 100 Kilometer – etwa sieben Mal mehr als ein Dieselbus. Viel Potenzial, um Energie zu sparen. Die nun eingebaute vollelektrisch betriebene Anlage der Firma Spheros entzieht der Außenluft Wärme, die zur Heizung des Fahrgastraums benutzt wird. Es gibt keinen Unterschied hinsichtlich der Behaglichkeit im Passagierraum. Eine Zusatzheizung mit Heizöl oder – ebenfalls als Gegenstand der aktuellen Forschung – Infrarotstrahlern ist dann nur noch bei tiefen Temperaturen nötig. Im Sommer ergibt sich der umgekehrte Effekt. Die Wärmepumpe wirkt als Klimaanlage und kühlt den Fahrgastraum angenehm ab.
Allein beim Heizöl rechnen die Wissenschaftler mit einer Einsparung zwischen 10 und 20 %.

Zudem hat der Hybridbus andere Räder: Weniger Gewicht bedeutet beim Hybridbus weniger Energie und damit eine größere Reichweite im elektrischen Betrieb. Viel Masse lässt sich an den Rädern einsparen – immerhin haben Gelenkbusse mit einer normalen und zwei Zwillingsachsen bis zu zehn davon. Basis für die Masseeinsparung bildet eine hocheffiziente hybride Mischbauweise aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen für das Felgenbett und dem Leichtmetall Aluminium für den Radstern. Bei deutlich unter 20 kg ist sie mehr als 50 % leichter als eine herkömmliche Stahlfelge. Ein Gelenkbus mit zehn Rädern wiegt dadurch immerhin rd. 250 kg weniger.

Momentan befinden sich die ersten Prototypen der Verbundfelge zu Belastungs-, Festigkeits- und Ermüdungstests auf den Prüfständen. Bis zum Ende des Projektzeitraumes Ende Juli 2016 sollen alle erforderlichen Genehmigungen und die TÜV-Zulassung eingeholt sein, so dass das Leichtbaurad für den Pilotbetrieb auf der Linie 64 zum Einsatz kommen kann.

Das Dresdner Projekt "Pilotlinie 64" hat ein Volumen von rd. 4,5 Mio. €. Es ist eines von insgesamt 40 Vorhaben in den beiden Bundesländern. Koordiniert durch die Sächsische Energieagentur - Saena GmbH wird es mit 4,2 Mio. € durch den Freistaat Sachsen unterstützt. (al)