Im Nachbarsland Österreich, genauer gesagt in Wien, fährt der erste Vollelektrobus europaweit. Bild: Siemens

ÖPNV: Diesel besser als E-Busse?

Elektrobusse seien im Vergleich zum Dieselbus nach wie vor nicht zuverlässig genug, sagt Ingo Wortmann, VDV-Vizepräsident und Chef der Münchner MVG.

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks empfing gestern hochrangige Vertreter des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der in Deutschland tätigen Bushersteller zu einem Gespräch. Es ging um die Zukunft der Elektrobusse im Öffentlichen Personennahverkehr.

Über 40 ÖPNV-Unternehmen in Deutschland testen aktuell bereits Elektrobusse verschiedener Hersteller. "Allerdings gibt es bislang keine Festlegung auf einen einheitlichen technischen Standard, so dass zu viele unterschiedliche Fahrzeuge und Ladesysteme existieren", sagte Ingo Wortmann, VDV-Vizepräsident und Vorsitzender der Geschäftsführung der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Anschaffung und Wartung seien daher teuer.

Verbesserungen gefordert

"Die Elektrobusse sind im Vergleich zum Dieselbus im Betrieb nach wie vor nicht zuverlässig genug", so sein Fazit. Moderne ÖPNV-Busse mit EURO VI-Abgasnorm seien nicht nur wirtschaftlich und zuverlässig, sondern auch äußerst emissionsarm. Wolle man den batteriebetriebenen Elektrobus im ÖPNV durchsetzen, müssten Politik, Verkehrsunternehmen und Hersteller gemeinsam daran arbeiten, dieses Produkt weiter zu verbessern, unterstreicht Wortmann.

Neben den Fahrzeugen und dem notwendigen Infrastrukturaufbau sei auf politischer Ebene auch eine Neujustierung der Rahmenbedingungen erfolgskritisch, sagt Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn. "Die neuen Antriebstechnologien sind eindeutig umweltfreundlich, aber sehr stromintensiv. Wenn wir die Wende ernsthaft wollen, ist eine entsprechende Privilegierung erforderlich, wie wir sie vom Schienenverkehr her kennen." Auch die umweltfreundlichen Innovationen im Busbereich dürften nicht durch eine EEG-Umlage und die Stromsteuer belastet werden.

Standards bei der Infrastruktur nötig


Ebenfalls gefordert wurden gemeinsame Standards bei der Infrastruktur. Damit würden sich Kosten erheblich reduzieren und die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Das sei ein entscheidender Faktor für die Marktdurchdringung der Elektrobusse. Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), fordert außerdem eine steuerliche Erleichterung bei den Betriebskosten, die bei E-Bussen derzeit deutlich über denen vom Dieselbus liegen würden. (sg)