Nach wochenlangen Ausfällen läuft der Berliner E-Bus-Linienverkehr wieder weitgehend normal, doch die Ursache der technischen Probleme am Hochvoltsystem ist noch nicht vollständig geklärt. Bild: BVG/Oliver Lang

Ausfall der Berliner E-Bus-Linie noch unklar

Nach wochenlangen Ausfällen fährt die E-Bus-Linie der BVG wieder. Die genaue Ursache für die technische Störung am induktiv beladenen Hochvoltsystem ist noch unklar.

Mit großem Bahnhof wurde Ende August die 6,1 Kilometer lange E-Bus Linie 204 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gestartet. Das Besondere: Die vier E-Busse des Typs Solaris Urbino 12 Electric werden ausschließlich kabel- und kontaktlos geladen. Das induktive Primove Ladesystem mit 90 kWh stammt von Bombardier, der Antrieb von Vossloh Kiepe. Stolze 750 000 Euro kostet jeder Bus. Mit insgesamt 4,1 Mio. Euro wird das Projekt bis Herbst 2016 vom Bundesverkehrsministerium gefördert.

Doch schon nach wenigen Wochen, Mitte Oktober, mussten die E-Busse in die Werkstatt und Dieselbusse einspringen. Aufgrund von einer Störung an zwei der vier E-Busse habe man „vorsorglich alle Fahrzeuge aus dem Betrieb genommen, um der Ursache auf den Grund zu gehen“, so die BVG. Durch Effekte, die erst im Dauerbetrieb auftraten, sei es zu einem Kurzschluss im Hochvoltsystem von zwei Bussen gekommen. In der Folge seien Schäden an den elektrischen Komponenten entstanden, die daraufhin ausgetauscht werden mussten. Das Hochvoltsystem besteht aus Antrieb, Batterie und Ladesystem. In der Folge wurden laut BVG zusätzliche Schutz- und Entlastungsschaltungen (sogenannte Varistoren, Freilaufdioden und Y-Kondensatoren) eingebaut und die Software angepasst. „Nach Angaben des Hersteller-Konsortiums sollen derartige Zwischenfälle in Zukunft ausgeschlossen sein. In ausführlichen Tests konnte die Systemstabilität zunächst nachgewiesen werden“, so die BVG in einer Pressemitteilung vom 24. November.

Doch nun musste BVG-Sprecher Markus Falkner auf Anfrage der ZfK einräumen, dass „die Ursachenforschung noch nicht endgültig abgeschlossen sei“. Die Fahrzeuge seien zwar seitdem „weitgehend stabil im Linieneinsatz“, doch es „gebe natürlich immer mal wieder neu auftretende kleinere technische Fehler anderer Natur, die dazu führen, dass ein Fahrzeug zur Überprüfung mal für einen Tag von der Linie genommen werden muss“. Allerdings seien diese einzelnen Ausfälle von einzelnen Bussen an einzelnen Tagen für eine Bewertung des elektrischen Betriebs nur bedingt aussagekräftig, weil es nach den Einzelmeldungen beispielsweise auch um Fehler beim Fahrscheindrucker oder der Türsteuerung ging, so Falkner.

Neben den bereits durchgeführten Hard- und Softwareanpassungen seien bisher „keine weiteren Veränderungen an den Fahrzeugen oder am Betriebskonzept vorgenommen“ worden. Man plane im Anschluss an die Pilotphase einen Weiterbetrieb der E-Bus-Linie über mehrere Jahre. Das genaue Konzept hierfür sei aber noch in Arbeit.

Doch steht die BVG unter Zeit- und Handlungsdruck. Denn der Berliner Senat beschloss in diesem Frühjahr im Rahmen eines Energiewendegesetzes, dass die landeseigenen Verkehrsbetriebe ab dem Jahr 2020 nur noch abgasfreie Busse anschaffen dürfen. Infrage kommen dafür nach jetzigem Stand nur Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb. Hybridbusse mit Strom- und Dieselantrieb kommen nach der Senatsvorgabe hierfür nicht in Frage. Elektrisch betriebene Oberleitungsbusse wurden in Berlin 1973 ausgemustert, im benachbarten Eberswalde fahren sie bis heute. (hcn)