Ist sie es, oder nicht? Die höchste Straßenbahnhaltestelle soll in Ulm sein. Ob das stimmt, weiß jedoch niemand so genau.
Bild: © Stefan Puchner/dpa

Ein Rekord mit Fragezeichen

Ulm hat den höchsten Kirchturm der Welt und mit Albert Einstein den klügsten Physiker des 20. Jahrhunderts. Die Stadt ist stolz auf ihre Superlative. Nun gibt es wohl noch einen mehr.

"Höchste Straßenbahn-Haltestelle Deutschlands (617 m)" stand bald nach der Eröffnung der Ulmer Straßenbahnline 2 im Dezember an deren Station "Botanischer Garten" auf zwei laminierten Zetteln. Anfangs sollten die "illegalen Schilder" weg. Dann aber, so berichtet Bernd Jünke (Sprecher des Betreibers Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm [SWU]), habe man in den Bauunterlagen nachgeschaut. "Tatsächlich: Die Haltestelle auf dem Oberen Eselsberg liegt auf 617,8 Höhenmetern."

Kurzerhand wurden die Zettel in den Schaukästen der Haltestelle gesichert, "damit sie nicht davonflattern". Allerdings: Ob das wirklich ein Rekord ist, habe sich bislang nicht klären lassen.

Bisher keine amtliche Erhebung dazu

"Uns ist nicht bekannt, dass es hierzu amtliche Erhebungen gibt", heißt es etwa bei der Bundesanstalt für Straßenwesen. Fehlanzeige auch beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, beim Bundesverkehrsministerium und beim Statistischen Bundesamt. "Keine Statistik ohne Gesetz", sagt dort eine Sprecherin. Und ein Gesetz zur Höhe von Tramhaltestellen gebe es nicht.

"Die Chancen stehen aber nicht schlecht, dass Ulm tatsächlich den Rekord für sich beanspruchen kann", meint der Autor Oliver Helmstädter, der zuerst in der "Augsburger Allgemeinen/Neu-Ulmer Zeitung" über die anonyme Superlativ-Aktion berichtete. Dass sich Superlative gut vermarkten lassen, weiß Ulm natürlich, die Stadt hat mit dem Ulmer Münster den höchsten Kirchturm der Welt (161,53 Meter).

Noch kein Wettbewerb zur höchsten Haltestelle

Das Guinness-Buch der Rekorde listet übrigens Tram-Superlative auf: Die belgische "Küstentram" zum Beispiel, die alle Orte an der flämischen Küste verbindet, ist die längste Straßenbahnlinie (68 Kilometer). Zur höchsten Haltestelle habe es noch keinen Wettbewerb gegeben, sagt Heike Herd-Reppner vom Ravensburger Buchverlag, in dem die deutschsprachige "Guinness World Records"-Ausgabe erscheint. "Konkurrenten können sich gern bei uns bewerben, wir würden das dann prüfen." (dpa/sg)