Unterschiedliche Ampeln, Straßenschilder und Mobilfunksyteme: Das sind die Herausforderungen für autonomes Fahren in Grenzregionen. Bild: © AdobeStock

Grenzenlos autonom: Tests für die Autos der Zukunft laufen an

Vier Verkehrsminister aus dem Dreiländereck Deutschland, Luxemburg und Frankreich starten die ersten Projekte. Luxemburg bietet 2020 Kostenfreiheit und Echtzeitendaten im ÖPNV.

Bis Ende des Jahres soll ein Testgebiet für automatisiertes und vernetztes Autofahren im Dreiländereck von Deutschland, Luxemburg und Frankreich aufgebaut werden. Vier Verkehrsminister, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), die französische Verkehrsministerin Elisabeth Borne, der luxemburgische Verkehrsminister François Bausch und die saarländischen Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD), werden am Mittwoch (3. April) im luxemburgischen Schengen die ersten Projekte vorstellen.

Die Fahrzeuge sollen auf dem Straßennetz von Merzig über Saarlouis und Saarbrücken nach Metz in Frankreich und weiter nach Luxemburg unterwegs sein. Bei den Tests sollen stets Menschen in den Autos mitfahren.

Komponenten für den grenzüberschreitenden autonomen Verkehr

Dabei sollen verschiedene Komponenten beim grenzüberschreitenden Verkehr ausprobiert werden. So gibt es in den drei Ländern unterschiedliche Ampeln, Straßenschilder und Mobilfunksysteme. Weitere Projekte drehen sich um die Kommunikation zwischen Autos, den Einsatz automatisierter Minibusse für Grenzgänger oder um intelligente Ampeln, die mit dem schnellen 5G-Mobilfunk vernetzt würden.

«Wir sind das erste grenzüberschreitende Testfeld in Europa überhaupt», sagte der Bausch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Mit dieser Zone wolle man der Industrie, der Forschung und der Wissenschaft einen internationalen Raum zugänglich machen, um neue Technologien auf allen Straßenarten zu erproben. Dazu habe man eine «einheitliche grenzüberschreitende Reglementierung geschaffen», sagte Bausch. Eine Zulassung zu Tests aus einem der drei Länder gelte auch für die beiden anderen Staaten.

Siemens, PSA und die luxemburgische Post sind dabei

Man hoffe, künftig auch Start-up-Firmen als Interessenten für das Testfeld zu gewinnen, fügte er hinzu. Bisher seien bereits Siemens, die luxemburgische Post und der französische Autohersteller PSA (Renault/Citroën) beteiligt.

«Die Digitalisierung bringt uns fantastische neue Möglichkeiten, um eine effiziente, umweltfreundliche und ganz andere Mobilität zu organisieren», sagte Bausch. Die luxemburgische Regierung, die vom 1. März 2020 an den öffentlichen Nahverkehr kostenlos macht, sehe die Mobilität der Zukunft als «Dienstleistung»: Künftig werde es eine «Mobilitätskette» geben, aus der sich der Bürger das jeweils beste, günstigste und umweltfreundlichste Angebot heraussuchen könne. Luxemburg wolle in der Debatte um Grenzwerte und Stickoxide «ein Verbotschaos» vermeiden: «Ohne Gesamtkonzept in der Mobilität und ohne den politischen Willen, auch massiv zu investieren, werden wir da nicht herauskommen.»

Luxemburg will ÖPNV-Daten in Echtzeit anbieten

Spätestens 2020 werde Luxemburg kostenlos die gesamten Daten des öffentlichen Verkehrs in Echtzeit verfügbar machen. Schon in diesem September solle es eine App geben, die auch den gesamten Straßenverkehr in Echtzeit darstelle und individuell die besten Transportvorschläge mache. Man bereite unter anderem Bus- und Autospuren vor, deren Fahrtrichtung nach Tageszeit geändert werden könne. Spätestens 2030 soll es in Luxemburg nur noch E-Busse geben.

Wichtiger als eine Quote für E-Autos sei die Verbesserung der Infrastruktur: Ende 2020 soll es im 600.000 Einwohner zählenden Großherzogtum 1600 Ladepunkte für Elektro-Autos geben. Sie sind auf deutsche und französische Bezahlsysteme vorbereitet. Ein digitalisiertes Verkehrssystem sei für Luxemburg unter anderem deswegen wichtig, weil täglich rund 200.000 Menschen aus den Nachbarländern zum Arbeiten nach Luxemburg pendeln. (dpa/hp)