Von 2009 bis 2016 führte diese "Aero-Tram" der Karlsruher Verkehrsbetriebe (VBK) über dem Führerhaus Einrichtungen mit, um die Konzentration verschiedener Schadstoffe zu messen. An den Daten forscht das Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Department Troposphäre (IMK-TRO) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Bild: Patrick Langer, KIT

Nur in der Stadt dicke Luft

Eine Tram misst Schadstoffkonzentration. Dieses Forschungsprojekt ist jetzt abgeschlossen. An ihm waren die Karlsruher Verkehrsbetriebe (VBK) beteiligt.

Mit dem Ortsschild von Karlsruhe stadtauswärts sinken die Stickoxid(NOx)-Konzentrationen in der bodennahen Luft schlagartig um 70 Prozent. Dies ist eine der ersten Erkenntnisse eines Forschungsprojekts, bei dem eine Stadtbahn der Karlsruher Verkehrsbetriebe über dem Führerhaus mit Messtechnik vollgepfropft war. Diese "Aero-Tram" maß acht Jahre lang die Schadstoffkonzentrationen. Dabei legte sie 200 000 Kilometer zurück.

Die "Aero-Tram" fuhr auf den Linien S1, die zwischen dem nordlichwestlichen Speckgürtel von Karlsruhe, dem Zentrum und dem südöstlich gelegenen Schwarzwaldkurort Bad Herrenalb pendelt, sowie S2. Die fährt vom südlichen Oberrheingraben aus in die Karlsruher City und verlässt sie in Richtung nordöstlichen Speckgürtel.

Wichtig für Fahrverbots-Debatten auch anderswo

Forschungspartner war das Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Department Troposphäre (IMK-TRO) beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Klimaforscher werten jetzt einen in seiner Feingranulierung und Langfristigkeit einzigartigen Datensatz aus, um die Luftbelastung der Karlsruher Innenstadt sowie des Umlands darzustellen und zu deuten – in Abhängigkeit von Wetterbedingungen, Jahreszeiten und Verkehrsaufkommen. Weitere Erkenntnis: An Knoten des Individualverkehrs, wie etwa am Mühlburger Tor/Kaiserallee, waren die Stickoxid- und Partikelwerte (Ruß, Staub) hoch. In der Fußgängerzone senkten sie sich, erreichten aber nicht die niedrigen Umlandwerte.

Die Ergebnisse dürften auch für die Verhängung von Auto-Fahrverboten und Gestaltung von Umweltzonen wichtig sein. Und das nicht nur in Karlsruhe: Die Wissenschaftler prüfen die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Städte nach einem Computermodell des KIT. (geo)