Ein Buszug misst insgesamt 23 m und kann 130 Personen befördern. Bild: SWM/MVG

VDV: Hände weg von Busspuren!

Nach Vorschlag von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sollen offenbar Busspuren in Innenstädten für Elektroautos freigegeben werden.

Die Bundesregierung und Vertreter der Automobilindustrie trafen sich gestern in Berlin zu einem Gipfel zur Elektromobilität. Es ging dabei um weitere Förderungen von Elektroautos in Deutschland.

Ein Vorschlag von Bundesverkehrsminister Ramsauer erzürnt den Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Demnach sollen Busspuren in Innenstädten für Elektroautos freigegeben werden. Der VDV kritisiert: „Busspuren dienen der Beschleunigung des innerstädtischen ÖPNV, um die Fahrzeiten zu verkürzen und damit die Linienbusse auch in der Rush-Hour den Fahrplan einhalten können. Wenn man die Busspuren mit weiteren Autos verstopft, dann stehen dort künftig alle im Stau, egal ob Elektroautos, Taxis oder eben ÖPNV-Busse. Das ist verkehrlich unsinnig und kontraproduktiv“, so VDV-Präsident Jürgen Fenske.

Der VDV unterstützt die Bestrebungen der Bundesregierung, Verkehr mit Elektroantrieben voranzubringen. Allerdings weist der Verband anlässlich des  Gipfels zum wiederholten Mal darauf hin, dass dort unter dem Deckmantel der Elektromobilität eigentlich ausschließlich über die Förderung von Elektroautos gesprochen wird. Auch das ständige Herunterbeten von Steuerbefreiung, dem Befahren von Busspuren oder kostenlosen Parkmöglichkeiten führe nicht zum Erfolg von Elektroautos, so der VDV.
 
Jürgen Fenske: „Um das klarzustellen, wir sind ein Befürworter der Elektromobilität, aber dazu gehört mehr als nur das E-Auto. Der ÖPNV ist mit seinen Straßenbahnen in den Städten seit 130 Jahren elektromobil unterwegs und bereits heute werden 86 % der Leistungen im Eisenbahnpersonenverkehr elektrisch erbracht. Wer glaubt, dass allein mit der Nutzung von Busspuren die Elektromobilität vorangebracht werden kann, der ist auf dem Holzweg. Weder die Energieindustrie noch die Nationale Plattform Elektromobilität haben verlässliche Szenarien aufgezeigt, wonach die Automobilhersteller auf geeignete Ladeinfrastruktur treffen. Und solange diese Infrastruktur fehlt, ist das Befahren von Busspuren ein wirkungsloses Placebo. Die Bundesregierung fördert trotzdem mit Milliardenbeträgen Elektroautos, die kaum jemand kauft, weil sie zu teuer sind und zu wenig alltagstauglich. Das ist eine eindeutige Fehlallokation öffentlicher Gelder, und das ausgerechnet im Verkehrssektor, der ohnehin unter Mittelknappheit leidet. “

Beim Gipfel für Elektromobilität machte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutlich, dass das Ziel bis 2020, 1 Mio. Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen, realistisch sei. Anfang 2013 waren gerade einmal etwa 7100 reine Elektroautos angemeldet. 2012 kamen rd. 4500 neue E-Fahrzeuge hinzu, belegen Daten des Kraftfahrtbundesamtes. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum gab es knapp 48 000 Neuanmeldungen von Hybrid-Fahrzeugen.

Trotz dieser geringen Zulassungszahlen ist Henning Kargermann, Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität, nicht beunruhigt. "Der Markt wächst exponentiell", erklärte er dem Manager Magazin. Kargermann erwartet den großen Schub in den Jahren 2016/17. Von einer Kaufprämie hält er wenig; Geld sollte lieber in die Forschung fließen. Denkbar wäre auch eine schnellere Abschreibung, verbilligte Kredite auf E-Autos in Fahrzeugflotten oder eine reduzierte Kfz-Steuer für Elektroautos.

Ein großer Impuls seien auch reduzierte Kosten bei den Batterien. Bis 2020 können diese Kosten um den Faktor 4 sinken. Diese Kostensenkung forciere den Verkauf. Bis Ende nächsten Jahres sollen 16 verschiedene Modelle auf den Markt kommen.

In puncto Ladeinfrastruktur verwies er auf Erkenntnisse von Studien, die besagten, dass 85 % der Ladetätigkeit zu Hause erfolge. 15 % der Ladetätigkeit sei dann im öffentlichen Raum. "Dafür bräuchten wir maximal 150 000 Ladepunkte, doch hier muss man behutsam vorgehen", so Kargermann.

Gerade Stadtwerke seien für den flächendeckenden Aufbau einer elektromobilen Infrastruktur prädestiniert, da sie den Großteil der Stromverteilnetze betreiben und den lokalen Bedarf am besten kennen, machte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck, deutlich. Bereits jetzt tragen mehr als 70 Stadtwerke die Elektromobilität in die Kommunen. (al)