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16 Juni 2017 | 11:15

"2018 muss der Kohlekonsens kommen"

So soll sich laut Agora Energiewende der Energiesektor in Deutschland verändern. Die Technologien sind alle vorhanden, erläuterte Direktor Patrick Graichen., Bild: Agora Energiewende
Bild: Agora Energiewende
So soll sich laut Agora Energiewende der Energiesektor in Deutschland verändern. Die Technologien sind alle vorhanden, erläuterte Direktor Patrick Graichen.
Agora Energiewende stellt ein Positionspapier vor, dass die nötigen Handlungsschritte aufzeichnet, um 2030 die Treibhausgasminderungsziele zu erreichen.

Unter dem Titel "Energiewende 2030 – The Big Picture", hat der Think Tank Agora Energiewende gestern in Berlin ein Gesamtbild für die Erreichung der Klimaziele bis 2030 vorgestellt. Bekanntlich sollte in 13 Jahren eine Treibhausgasminderung von etwa 55 Prozent erreicht werden – zur Referenz von 1990. Drei große Aufgabenziele treten in dem 80-seitigen Dokument hervor: der schnelle Ausstieg aus der Kohleverstromung und eine schneller und strukturierter Einstieg in die  Wärme- und Verkehrswende.

Der Direktor von Agora Energiewende, Patrick Graichen, machte deutlich, dass die zweite Phase der Energiewende bis 2030 entscheidend sei für das Erreichen der Klimaziele. In der jetzt kommenden Legislaturperiode müssten deshalb die Weichen richtig gestellt werden. "Und das Gute an der Sache ist: Wir haben alle Technologien kostengünstig parat", so Graichen. Es müsse nur richtig umgesetzt werden, um bis 2030 die Hälfte der Energiewende zu schaffen. Die dritte Phase der Energiewende nach 2030 werde technologisch weitaus anspruchsvoller. Als erste Phase gilt der starke Ausbau der erneuerbaren Energien.

Kohle und Erdöl halbieren

Konkret rechnet Agora Energiewende vor, was die Energiewende im Jahr 2030 bedeutet: den Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch müsse sich auf 30 Prozent und am Stromverbrauch auf 60 Prozent nahezu verdoppeln. Dafür sollte sich die Nutzung von Kohle und Erdöl halbieren; bei Erdgas steht eine Reduzierung von 20 Prozent an. Insgesamt muss zudem der Energieverbrauch um 30 Prozent im Vergleich zu heute reduziert werden.

Graichen plädiert eindringlich für einen Ausbau der Netze. "Am besten noch zwei GW mehr in den offenen Graben legen", erklärte er. Bekanntlich sollen bis 2025 rund 7700 Kilometer Leitungen gebaut werden. Doch der Ausbau geht schleppend voran. Das Leitungsnetz wird wichtig, da schon in wenigen Jahren große Kapazitäten an Kern- und fossilen Kraftwerken im Süden abgeschaltet werden. Und einen großen Ausbau der Windenergie im Süden erwartet Graichen nicht.

3 GW Kohlekraftwerke pro Jahr stilllegen

Der Kohleausstieg muss schnell erfolgen. Graichen schlägt vor, etwa drei GW pro Jahr an Kohlekraftwerken vom Netz zu nehmen. Schon im nächsten Jahr müsse die neuen Bundesregierung einen Kohlekonsens aushandeln. 

Auch die Energieeffizienz müsse in Zukunft einen besseren Stellenwert erhalten, plädierte der Agora-Direktor. "Soviel Erneuerbare Energien und Netze, wie wir ohne Effizienz bräuchten, können wir gar nicht bauen", so Graichen. Doch bislang gebe es in diesem Segment keinen Handlungsrahmen. Alle Maßnahmen laufen über Förderung, doch die Fördermittel werden bei weitem nicht abgerufen. Deshalb sei es wichtig, dass die neue Regierung steuerliche Abschreibungen bei der Gebäudesanierung einführe.

Wärmenetzplanungen in Kommunen anstoßen

Er schlug vor, dass jede Kommune jetzt eine Art Wärmenetzplanung für das Jahr 2050 durchführe. Entsprechend dieser Simulation hin zu CO2-freien Netzen müssten dann die Fernwärmenetze Schritt für Schritt umgebaut werden: hin zu Niedertemperatur-Netzen, die von mehreren Wärmequellen gespeist werden. Erdgas wird noch bis 2030 eine Rolle spielen, prophezeite Graichen. Doch danach werde weiter auf ein elektrifiziertes System umgestellt.

Die Studie kann auf den Seiten von Agora Energiewende heruntergeladen werden. (al)

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Zahl des monats

9

Prozent betrug der Rückgang des Steinkohleeinsatzes in Kraftwerken im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr. Laut der AG Energiebilanzen wurden dagegen drei Prozent mehr Braunkohle verwendet.