Auf dieser Seite können Sie sich in Ihr bestehendes Account einloggen oder für ein neues Account registrieren.
05 Juli 2016 | 10:55

Experten kritisieren EEG-Ausschreibungen

Die Neuregelungen zu den EEG-Ausschreibungen sind in einer Anhörung im Bundestag bei Fachleuten heftig umstritten gewesen.

Experten von Verbänden und der Wissenschaft sind gestern im Wirtschaftsausschuss des Bundestags zum eingebrachten Entwurf eines "Gesetzes zur Einführung von Ausschreibungen für Strom aus erneuerbaren Energien" angehört worden. Michael Wübbels, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der Abteilung Energiewirtschaft beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU), forderte, dass die Ausschreibungsmengen gerade für Windenergie an Land größer sein müsste, "damit auch kleine und mittelgroße Akteure wie Stadtwerke eine realistische Chance auf einen Zuschlag haben", zitiert der Pressedienst des Bundestags Wübbels. Ansonsten würden sich die kleinen Akteure aus dem Markt zurückziehen und das Feld wenigen Großkonzernen überlassen.

Eckhard Ott vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband verlangte verschiedene Maßnahmen, um Bürger-Energieprojekte zu stärken. Große Hürden für kleine Akteure trotz der Sonderregelungen für die Bürgerenergiegesellschaften machte auch Klaus Rigen vom Deutschen Landkreistag aus. Ihm zufolge müssten diese Gesellschaften und Stadtwerke besser kooperieren können.

Für die Biogasbranche setzte sich Horst Seide vom Fachverband Biogas ein: Er forderte einen breiteren Ausbaupfad für den Bau solcher Anlagen. Die vorgesehene Begrenzung auf 150 Megawatt sei nicht ausreichend, so Seide. Er beklagte laut dem Pressedienst auch das Fehlen einer Anschlussregelung für Altholzkraftwerke und eine Benachteiligung kleinerer Akteure.

Stefan Kapferer vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) drang darauf, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Netzausbau zu synchronisieren. Auch die Ausschreibungsmenge müsse sich erhöhen: Denn nicht alle Projekte, die einen Zuschlag erhalten, würden tatsächlich auch gebaut. Uwe Nestle von der Beratung "Energie- und KlimaPolitik" warnte indes davor, den Ausbau der Erneuerbaren an den Netzausbau zu knüpfen. Dies würde dem Ziel der Umweltverträglichkeit entgegenstehen. "Denn auch Ökostromanlagen, die zeitweise abgeregelt werden müssen, reduzieren in den anderen Zeiten Treibhausgasemissionen", so seine Meinung.

Fehlenden Stromnetzbau beklagte auch Martin Grundmann von ARGE Netz. Dieser sei weiter "die zentrale Ursache für massive Verwerfungen bei der Energiewende". Ganze Regionen seien von Zwangsabschaltungen der Anlagen betroffen. Grundmann machte sich daher für "power-to-x"-Lösungen stark, die Strommengen nutzen könnten, die das Netz nicht aufnehmen könne.

Professor Klaudia Kemfert vom DIW Berlin äußerte Zweifel, dass die Erneuerbaren-Ziele der Bundesregierung durch Ausschreibung erreicht werden können. Erfahrungen aus anderen Ländern würden zeigen, dass es keinesfalls sicher sei, dass die Vergütungshöhen sinken. Es bestehe auch die Gefahr, dass die Ausbaukorridore nicht erreicht würden. Professor Achim Wambach vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung bedauerte den Verzicht auf regionalisierte Ausschreibungen. Damit könne sich das Nord-Süd-Problem verschärfen. "Eine Zunahme von Engpasssituationen und eine weitere Steigerung von Redispatching- und Netzausbaukosten wären die Folge", zitiert der Pressedienst des Bundestags Wambach.

Carsten Rolle vom Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) bewertete die vorgesehenen Ausschreibungen "grundsätzlich positiv". Trotz Kosteneffizienz drohe aber eine höhere EEG-Umlage. Ausschreibungen bei der Photovoltaik würden nur Anlagen über ein Megawatt betreffen, damit würden nur 20 Prozent des jährlichen Zubaus von der Ausschreibungspflicht erfasst. (sg)


  • Energiepreise

STELLENMARKT

,

Umfrage

E-Mobilität und Stadtwerke

Wann wird Ihrer Meinung nach Elektromobilität für Stadtwerke ein tragfähiges Geschäftsmodell sein?

Nehmen Sie auch teil an der der Studie „Mobilität der Zukunft“ der Marktforschung Teamred, bei der die ZfK Medienpartner ist. Alle Teilnehmer erhalten auf Wunsch die Kurzfassung der Studie zugeschickt. Machen Sie mit!

Social media

Folgen sie uns auf:
Facebook Twitter Xing

Zahl des monats

331 272

Stromsperren sind im Jahr 2015 verhängt worden. Dies sind 20 530 Fälle weniger als im Vorjahr. Bei Gas sank die Anzahl um 2862 auf 43 626 Fälle. Diese Angaben machte im März die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken.