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12 Oktober 2017 | 10:58

Positionen für die Politik

Mit Blick auf die anstehenden Sondierungsgespräche weist der Verband kommunaler Unternehmen auf die wichtige Funktion von Stadtwerken hin.

Die 900 Stadtwerke in Deutschland setzen die Energiewende vor Ort um; sie seien die wichtigsten Akteure für deren Gelingen, erläutert der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) via Pressemitteilung. Im Vorfeld der Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung stellt der VKU seine Positionen zur Energiewende dar.

Stadtwerke sorgen für Sektorenkopplung

Stadtwerke leisten schon heute einen bedeutsamen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele, so der Verband. Eine kosteneffiziente Dekarbonisierung bei gleichzeitiger Versorgungssicherheit sei nur durch das intelligente Zusammenspiel von erneuerbarer Energie und flexibel einsetzbarem Erzeugungs- und Lastmanagement zu schaffen. Diesen Elementen müsse daher im Energiesystem ein Wert gegeben werden. Im Moment sei das nur unzureichend der Fall, was der Grund dafür ist, dass hocheffiziente Gaskraftwerke im Gegensatz zu Kohlekraftwerken kaum Erlöse erzielen.

Deshalb fordert der VKU: "Die Dekarbonisierung der Wirtschaft braucht ein schlüssiges Konzept und darf nicht zu eng gedacht werden." Es reiche nicht, sich auf den Stromsektor zu konzentrieren. Auch die Wärme- und Verkehrswende müssen mitgedacht werden. Die KWK sei eine wichtige Brückentechnologie, die vernünftige Rahmenbedingungen brauche. Um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden, brauche es – flankierend zu den Erneuerbaren – flexibel einsetzbare Komponenten im Energiesystem: Gaskraftwerke, Speicher und Lastmanagement-Maßnahmen. Das alles bedarf einer soliden Investitionsbasis. Deshalb setzt sich der VKU dafür ein, mit dem dezentralen Leistungsmarkt einen Markt für Flexibilität und gesicherte Leistung einzuführen.

Die Lebensadern gut finanzieren

Die Verteilnetze seien die Lebensadern des deutschen Energiesystems. An die Verteilnetzebene sind heute 97 Prozent der Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien angeschlossen. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion betrage aktuell 30 Prozent. Bis 2030 soll sich dieser verdoppeln. Im nächsten Jahrzehnt müssen zur Integration der erneuerbaren Energien in die Netzinfrastruktur, für die Elektromobilität und die Digitalisierung der Verteilnetze je nach Schätzung 20 bis 35 Mrd. Euro investiert werden, erläutert der Verband.

"Derzeit ist es den Verteilnetzbetreibern wirtschaftlich unmöglich, das Netz so auszubauen, dass sie Leistungsbedarfe (Zum Beispiel für die E-Mobilität) berücksichtigen können, die erst in einigen Jahren entstehen könnten", stellt der VKU das Problem dar. Dies bilde der ordnungspolitische Rahmen, beispielsweise die sogenannte Anreizregulierung, nicht ab. Dabei wäre die einmalige Ausrüstung der Netze für zukünftig höhere Bedarfe volkswirtschaftlich bedeutend günstiger als das Netz alle paar Jahre erneut aufrüsten zu müssen.

"Umlagen- und Entgeltsystem muss auf den Prüfstand"

Strom ist aufgrund der Abgaben und Umlagen teurer als andere Energieträger, was eine Übertragung in andere Sektoren behindert, stellt der Verband dar. Derzeit machen Steuern, Abgaben, Netzentgelte und Umlagen in Deutschland etwa 75 Prozent des Endkundenpreises aus. Und dieser Block steige stetig. Deshalb fordert der VKU: Das bestehende Umlagen- und Entgeltsystem müsse in der nächsten Legislaturperiode auf den Prüfstand. Es müsse der Grundsatz gelten: Alle Akteure müssten sich an der Finanzierung beteiligen. "Ein Umlagen‐ und Entgeltsystem muss sozial gerecht, planbar und einfach handhabbar in der Anwendung sein. Außerdem muss es Anreize für die Akteure bieten, die Sektoren intelligent miteinander zu verbinden", betont der VKU. (al)

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Zahl des monats

165 000

Megawatt betrug der Zubau an Ökostromleistung weltweit in 2016, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und umfasst nahezu zwei Drittel der neuen Stromerzeugung.