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19 April 2017 | 12:30

"Verteilnetzbetreiber übernehmen Verantwortung"

Stellten die Positionen der Verteilnetzbetreiber dar: VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche und N-Ergie-Vorstandsvorsitzender Josef Hasler. , Bild: VKU
Bild: VKU
Stellten die Positionen der Verteilnetzbetreiber dar: VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche und N-Ergie-Vorstandsvorsitzender Josef Hasler.
Verteilnetze: Bei der Energiewende ist der Druck zur Dezentralität konstant hoch, doch der regulatorische Rahmen klemmt noch in der zentralistischen Welt fest.

Verteilnetzbetreiber (VNB) sind zunehmend stärkeren Herausforderungen ausgesetzt: Der Netzbetreiber der N-Ergie muss beispielsweise 50 000 EE-Anlagen mit einer Leistung von 2000 MW integrieren. "Das sind 500 MW mehr wie unsere Spitzenlast", machte Josef Hasler, Vorsitzender des Vorstands der N-Ergie bei einem Pressegespräch des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) heute in Berlin deutlich.

Mittlerweile seien 97 Prozent der erneuerbaren Energien an die Verteilnetze angeschlossen, verdeutlichte Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des VKU. Und bis 2030 werden nach Plänen der Bundesregierung von den Verteilnetzen der Stadtwerke und regionalen Energieversorger rund 140 GW erneuerbare Energien aufgenommen. Auf Ebene der vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sind es nur 17 GW.

Neue Rahmenbedingungen nötig

Aus diesem Grund sind Verteilnetzbetreiber bereit, als Systemmanager Verantwortung für das Verteilnetz zu übernehmen. Doch die Rahmenbedingungen sind nicht so, wie sie die dezentrale Welt eigentliche bräuchte. Die Energiegesetzgebung hinke noch der Entwicklung hinterher, sie stecke noch in der zentralistischen Energiewelt fest. Ein gutes Beispiel sei der Umgang mit Flexibilitäten: Speicher, Power to Heat oder Power to Gas sind Möglichkeiten, um ein Netz in der untersten Ebene auszuregeln, doch die Einstufung als Endverbraucher machen solche Instrumente im Moment noch unwirtschaftlich. Am Ende laufe "das Netz voll" und Strom müsse an die nächst höhere Ebene weitergeleitet werden.

"Wir wollen der Politik Lösungsansätze bieten", erklärte Katherina Reiche immerfort, um die Energiewende in die richtige Richtung zu steuern. Der Trend zur Dezentralisierung wird sich fortsetzen mit Eigenstromlösungen, PV-Anlagen und Hausspeichern. Wichtig sei, dass die Verteilnetzbetreiber dann vom Gesetzgeber auch die Möglichkeiten bekommen, mit diesen Herausforderungen umgehen zu können.

Historische Regelungen anpassen

Für die neue Qualität der Arbeit müssten historisch überholte Regelungen wie der § 12,13 und 14 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) zu den Aufgaben der Übertragungsnetzbetreiber und der Verteilnetzbetreiber neu angepasst werden. Auch sollten Verteilnetzbetreiber Kooperationspartner, wie Startups, frei wählen können. Dies ist durch die einzelnen Gemeindewirtschaftsgesetze der Länder meist nicht möglich.

Die Netzentgelte müssten auf Verteilnetzebene eine neue Systematik erhalten. Während bislang nur über die Menge, also kWh, abgerechnet werde, sollte ein höherer Grund- beziehungsweise Leistungspreis erhoben und der Arbeitspreis reduziert werden. Dies würde zu einer verursachergerechten Bemessung führen. Durch den Einbau von intelligenten Zählern steigt zudem der Betriebskostenanteil in den Netzen. Orientierte sich bislang der regulatorische Rahmen nur an den Investitionskosten (Capex), so müsse jetzt umgesteuert werden, da der Betriebskostenanteil (OPEX) stärker in Erscheinung trete.

Netzausbaupläne neu evaluieren

N-Ergie-Chef Hasler regte an, die Netzausbaupläne neu zu evaluieren. Schließlich werde die Dezentralsierung durch die Digitalisierung im Momentum zunehmen und völlig neue Möglichkeiten bieten. Der weitere Ausbau von Leitungen auf nationaler Ebene könne dann leicht zu einer starken Verteuerung der volkswirtschaftlichen Kosten führen – Leitungen, die man dann nicht mehr brauche. Ebenfalls nicht zielführend sind in Haslers Augen auch die Pläne der Regierung, den ÜNB den Bau von etwa 2 GW an netzstabilisierenden Gaskraftwerken zu erlauben. Diese Reserve, die gut versorgt sei, setze den Gaskraftwerken im Süden weiter zu. Zudem verstoße dieser Ansatz den Unbundling-Grundsätzen. (al)

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