Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller will unabhängiger vom Ausland werden.
Bild: © Umweltministerium Baden-Württemberg

Untersteller: Baden-Württemberg muss unabhängiger bei Rohstoffen werden

Die Corona-Krise hat nach Überzeugung von Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller gezeigt, dass das Bundesland Schluss machen muss mit der Abhängigkeit vom asiatischen Rohstoffmarkt. Lieferstopps aus China würden auch die Energiebranche empfindlich treffen.

Baden-Württemberg muss nach Ansicht von Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) seine Lehren aus den Lieferengpässen während der Corona-Krise ziehen und unabhängiger werden vor allem vom asiatischen Rohstoffmarkt. Die schwierige Versorgung mit Schutzmasken und anderen medizinischen Produkten habe gezeigt, wie riskant es sei, sich getrieben von den Kosten vor allem auf ausländische Anbieter zu verlassen.

Das gelte nicht nur für Textilien, sondern auch für andere Branchen: "Plötzlich sind Luftbrücken nach Asien nötig, um Masken und andere medizinische Utensilien nach Baden-Württemberg zu importieren", sagte Untersteller der Deutschen Presse-Agentur. "Wer sagt uns, dass das nicht mal auf seltene Rohstoffe aus Asien hinausläuft?"

Baden-Württemberg will krisenresistent werden

Die Corona-Krise müsse genutzt werden, um zu beraten, in welchen Bereichen sich das Land strategisch neu und vielseitiger aufstellen sollte. Untersteller will die Ressourceneffizienz-Strategie des Landes bis zum Herbst überarbeiten und dem Kabinett vorlegen. "Darin werden wir auch einen Schwerpunkt legen auf das Thema der Resilienz, also auf die Frage, wie wir als Land robuster werden gegen die Krisen in der Welt", sagte der Minister.

China baue sein Monopol bei Seltenen Erden aus. "Und hätte die Corona-Krise in China noch länger angedauert, so wäre die weltweite Rohstoffversorgung stark betroffen gewesen und somit auch die Produktion in Baden-Württemberg", sagte der Grünen-Minister. Denn sogenannte Seltene Erden würden in Produkten genutzt, die auch für Baden-Württemberg überaus wichtig seien. "Eine Windkraftanlage ohne Kobalt, ohne Nickel, ohne Kupfer oder Neodym gibt es nicht. Das gilt auch für Autoantriebe oder Festkörperlaser, die auf diese Rohstoffe als Bestandteile angewiesen sind", sagte der Minister.

Kreislaufwirtschaft als Ziel

Es müsse gelingen, Rohstoffe verstärkt in einem Kreislauf zu führen. "Unser übergeordnetes Ziel ist es, dass wir insgesamt weniger Ressourcen benötigen und die verwendeten Ressourcen besser wiederverwerten." Zwar sei auch die Lagerhaltung eine Lösung, um die Rohstoffverfügbarkeit in Krisen zu sichern. "Aber letztlich müssen wir die Ressourcenresilienz vor allem über eine echte Kreislaufwirtschaft erreichen."

Das Thema wird unter anderem im "Thinktank Industrielle Ressourcenstrategien" beraten, dem Unternehmen wie Bosch, Audi, Zeiss oder Daimler angehören. In dem Gremium wird überlegt, wie Rohstoffe automatisiert und in industriellem Maßstab zum Beispiel aus alten Batterien und anderen Komponenten der Elektromobilität zurückgewonnen werden können.

Ressourcen schonen

Es sei vor allem für Baden-Württemberg wichtig, sich unabhängiger zu machen, sagte Thomas Hirth, Vizepräsident für Innovation und Internationales am Karlsruher Institut für Technologie. Es müsse auch nachgedacht werden darüber, Materialien auszutauschen, um nicht unter allen Umständen auf seltene Rohstoffe zurückgreifen zu müssen. "Außerdem müssen wir schauen, wie es möglich sein kann, mit weniger Stoffen auszukommen."

Die Technologieregion sei verwundbar für Krisen und Engpässe, sagte auch Untersteller. Außer Kies, Salz, Holz und Sand gebe es keine Ressourcen. Gleichzeitig steige aber der Bedarf beispielsweise an Seltenen Erden rapide. Nach seiner Einschätzung ist der Südwesten daher auch prädestiniert für die Vorreiterrolle bei der Entwicklung neuer Techniken und Strategien.

In Baden-Württemberg wendet unter anderem das mit dem Umwelttechnologiepreis des Umweltministeriums ausgezeichnete Unternehmen OBE in Ispringen gemeinsam mit der Firma MIMplus Technologies ein besonderes Recyclingverfahren an. Dabei kann bei der Produktion von Permanentmagneten Neodym, ein Metall der Seltenen Erden, drastisch eingespart werden.

Nutzung erst ab dem kommenden Jahr

Allerdings könne das derzeit als Projekt getestete Verfahren nicht vor 2021 auch in der Praxis genutzt werden, sagte Frank Schroeder, der bei OBE für das Marketing zuständig ist. Er ist optimistisch: "Wir haben bereits Partner, die ihre Geräte an uns weiterreichen, um einen Kreislauf zu schaffen."

Projekte wie dieses und auch das Forschungsprojekt einer robotergestützten Demontagefabrik für Antriebe und Batterien (DeMoBat) müssten gefördert und entwickelt werden, sagte Untersteller. "Das hat mit Effizienz zu tun und mit Umweltschutz." (dpa/amo)