Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat Ende Oktober 2012 eine 250-kW-Power-to-Gas-Anlage eingeweiht. Im Hintergrund steht die Methanisierungsanlage. Bild: ZSW

Energiewende: "Öffentlicher Streit ist nicht verkehrt"

Eine kontrovers geführte Diskussion zwischen Politik, Fachleuten und Behörden ist einer der Höhepunkte der Münchner Energietage gewesen.

Erstmals haben mit dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und dem Verband der Elektrotechnik (VDE) sowie dem angegliederten Forum Netztechnik (FNN) zwei technisch-wissenschaftliche Vereine einen spartenübergreifenden Kongress vom 21.–22. Feb. zum Thema Gas und Strom in München ausgerichtet. Der Fokus lag auf gemeinsamen Schnittpunkten im Netz wie Systemsicherheit, Smart Meter oder intelligente Netzführung. Besondere Bedeutung kam der Power-to-Gas (P2G) Methode zu, der Umwandlung von Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff bzw. der anschließenden Verarbeitung zu synthetischem Methan:

Klaus Engelbertz, Technischer Geschäftsführer der RWE Netzservice und Claus Meyer, Bereichsleiter Zentralfunktion Technik bei Open Grid Europe, betonten die wichtige Rolle von P2G für die Energiewende. Diese Technik sei notwendig, um die fluktuierenden erneuerbaren Energien in das Stromnetz zu integrieren und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Für 2020 glaubt Engelbertz, dass sich P2G wirtschaftlich rentabel betreiben lasse: "Wir haben im VDE sehr deutlich nachgerechnet, dass wir bei einem Anteil von 40 % der Erneuerbaren eine realistische Chance haben. Hält man sich die Zielsetzung der Bundesregierung vor Augen, sind wir 2020 bei diesem Anteil", begründete er seine Prognose. Dr. Gerd von Laffert, Leiter des Referats Grundsatzfragen, Elektrizitäts- und Gasversorgung im bayerischen Wirtschaftsministerium zeigte sich jedoch skeptisch, was die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit von P2G angeht. Sollte Wasserstoff aus der P2G-Methode letztendlich teurer sein als Erdgas, sei Erdgas klar zu bevorzugen. Dem widerspricht Dr. Gerald Linke von der Eon Ruhrgas AG und Leiter des Kompetenzzentrums Gastechnik und Energiesysteme. Er verweist darauf, dass der so erzeugte Wasserstoff weitaus emissionsärmer als Erdgas sei. Somit müsse Biomethan als Referenz herangezogen werden. Zudem warnte er die Diskussion der Energiewende allein nur auf die Kosten zu reduzieren. Die Energiewende ziele auf Nachhaltigkeit, es gehe darum CO2 einzusparen und die Energieeffizienz zu erhöhen. „Nach Fukushima gab es einen Konsens, so etwas fehlt derweil“, sagte er.

Meyer vermisst angesichts der unterschiedlichen Interessen von Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium ein Gesicht der Energiewende. Achim Zerres, Leiter der Abteilung Energieregulierung bei der Bundesnetzagentur, sieht dies ähnlich, allerdings mahnte er, dass solch ein Kopf besser überparteilich sein sollte und nicht aus dem Ministerium kommen soll.

Außerdem sprach er sich gegen ein einheitliches Energieministerium aus: „Ich bin mir nicht so sicher, ob das der richtige Weg ist, denn ich komme aus der Behörde und kenne die Probleme. Die Interessenskonflikte verschwinden nicht, wenn man sie in ein einzelnes Ministerium packt. Dann streiten sich innerhalb des Ministeriums die Abteilung A und B. So ist die Diskussion wenigstens transparent“, gab er zu bedenken. Statt in einem Ministerium zu verschwinden, müssen die Interessen öffentlich ausgetragen werden: „Es ist nicht verkehrt, öffentlich darüber zu streiten. Ich muss einen öffentlichen Diskurs darüber führen, wie viel darf es kosten, was will die Gesellschaft leisten, wie wichtig ist CO2 im Vergleich zu anderen Bereichen?“. Eine Gefahr, dass die Bevölkerung nicht mehr hinter der Energiewende steht, sieht er indes nicht. Der Hauptteil der Beschwerden, die die Bundesnetzagentur erreichen würden, liege immer noch zu 70­–80 % im Bereich der Telekommunikation, verdeutlicht Zerres.

Ebenfalls wenig abgewinnen kann der BNetzA-Mann einer Verstaatlichung der Netze. Dagegen spreche, dass der Staat derzeit kein überflüssiges Geld parat habe und nicht überall einsteigen könne. Zweitens mache die Regulierung eines staatlichen Unternehmens als staatliche Behörde keine Freude. „Sinnvoll ist, in solchen Unternehmen eine gewisse staatliche Beteiligung vorzusehen und damit ein positives Signal an die Kapitalmärkte zu senden und zu zeigen, dass der Staat daran glaubt“, so Zerres. (sg)