"Erneuerbare schnell ausbauen"

Neujahrsempfang BEE: Umweltministerin Barbara Hendricks betont aus Gründen der Dekarbonisierung die wichtige Rolle der erneuerbaren Energien.

"Die erneuerbaren Energien müssen schnell ausgebaut werden." Das war die zentrale Botschaft der Hauptrednerin, Umweltministerin Barbara Hendricks, beim gestrigen Neujahrsempfang des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE). Schließlich werde durch stromgeführte Anwendungen wie E-Mobilität oder Power-to-Heat der Stromverbrauch in Zukunft steigen. Zudem müssen aus Klimaschutzgründen die großen Bereiche Strom, Mobilität und Wärme bis 2050 "weitestgehend dekarbonisiert" sein.

Hendricks wies in Ihrer Rede auf das große "Hoffnungszeichen" des Klimagipfels in Paris hin. "Das Ergebnis war besser, als wir uns erhofft haben", so die Ministerin. Nun müssten die Weichen weltweit Richtung Dekarbonisierung gestellt werden. Die erneuerbaren Energien tragen dabei neben der Energieeffizienz die Hauptlast. Auch ihr Ministerium arbeitet derzeit unter Hochdruck am nationalen Klimaschutzplan 2050, der noch vor der Sommerpause von der Regierung beschlossen werden soll.

Deutliche Akzente setzte die Ministerin – auch zum Unmut einiger der anwesenden 1100 Gäste – beim Vergütungssystem für erneuerbare Energien. "Der Welpenschutz für erneuerbare Energien ist vorbei. Da gebe ich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ganz recht." Der Wechsel auf Ausschreibungssysteme muss von dem mittlerweile "erwachsenen" Energieträger akzeptiert werden. Klare Worte fand Hendricks auch beim Ausbau für Bioenergie: "Da haben wir das Maximum an Flächen erreicht."

Im Umgang mit dem Kohleausstieg verhielt sich die Umweltministerin vage. Es müsse der Ausstieg aus der Kohleverstromung angestrebt werden, da es nicht sein kann, dass bei steigendem Ausbau der erneuerbaren Energien gleichzeitig die Treibhausgas-Emissionen nicht sinken in Deutschland. "Kein Mensch verlangt einen kompletten Kohleausstieg nach dem Atomausstieg. Doch nach dem Atomausstieg ist vor dem Kohleausstieg." Dabei müsse aber an die Menschen in den Braunkohleregionen gedacht werden, damit es nicht zu Strukturbrüchen komme.

Fritz Brickwedde, Präsident des BEE, erklärte in seiner Eröffnungsrede, dass es wichtig sei, den Kohleausstieg bis 2040 umzusetzen. Er wies zudem die Politik an, sich nicht am 45-Prozent-Deckel bis 2025 für Erneuerbare im Stromsektor "festzubeißen, als hätte es Paris nie gegeben." Es sind nur die erneuerbaren Energien, die die Erreichung der Klimaschutzziele möglich machen. Schon jetzt verfehle Deutschland das 2020er Ziel. Nach einer Studie des Energie-Experten Dr. Joachim Nitsch erreiche Deutschland 2020 nur 32 Prozent Minderung an Treibhausgasen gegenüber 1990, wobei das eigentliche Ziel bei minus 40 Prozent lag.

"Wir lassen uns nicht auseinander dividieren", fuhr Brickwedde fort und meinte damit die Formel der Berechnung der Zubauanteile für die einzelnen Energieträger Bioenergie, Photovoltaik und Windenergie im neuen EEG 2016. Es sei nicht gut, dass die Technologien gegeneinander ausgespielt werden und die Windkraft, da an letzter Stelle der Formel, zum Lückenbüßer verkomme. Die Photovoltaik habe einen starken Dämpfer hinnehmen müssen, 2014 die Bioenergie und jetzt müsse alle Energie aufgebracht werden, den günstigsten Energieträger der Erneuerbaren, die Windkraft, im Ausbau zu erhalten. Auch müsse die Akteursvielfalt erhalten bleiben.

Für die Bioenergie warb er für ein Ausbauziel von 100 MW netto und eine Nachfolgeregelung für Anlagen, die aus dem Vergütungssystem nach 20 Jahren ausscheiden. "Wir dürfen die Bioenergie nicht vor die Hunde gehen lassen", so Brickwedde. Das Jahr 2016 solle zudem als Initialzündung für die Sektorkopplung gesehen werden. Der Strom aus erneuerbaren Energien sollte zunehmend im Wärme- und im Mobilitätssektor genutzt werden. (al)