Ausschreibungen verteuern Energiewende

Studie des IZES kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Ausschreibungen sind kein geeignetes Mittel, den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben und kostengünstiger zu gestalten als bisher. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Instituts für Zukunfts Energie Systeme (IZES) im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). „Ausschreibungen verursachen sowohl für die staatliche Verwaltung als auch für die teilnehmenden Unternehmen erheblichen Mehraufwand und höhere Kosten“, sagte Prof. Uwe Leprich, wissenschaftlicher Leiter des IZES.

Dies wirke insbesondere auf kleinere Unternehmen abschreckend, die Strom aus erneuerbaren Quellen produzieren. Kleine und mittelgroße Anbieter hätten „mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Chance zur Marktteilnahme“, heißt es in dem Gutachten.

Bekanntlich plant die Bundesregierung ab 2017 die Einführung von Ausschreibungsmodellen für Projekte mit erneuerbaren Energien. BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk hob einige Ergebnisse des IZES-Gutachtens hervor: In den Niederlanden wurden viele Erneuerbare-Anlagen selbst Jahre nach der Ausschreibung nicht gebaut, weil die Unternehmen zu niedrige Gebote abgegeben hatten, um sich den Zuschlag zu sichern. Mangels wirksamer Strafzahlungen waren sie auch nicht dazu gezwungen, die zugesagten Projekte zu realisieren. Auch in Brasilien ist die Umsetzungsrate enttäuschend, obwohl eine staatliche Förderbank sehr günstige Finanzierungskonditionen bietet. In Frankreich fiel auf, dass die Ausschreibungen für Photovoltaik (PV) im sonnenverwöhnten Süden des Landes Vergütungen ergaben, die mehr als 3 ct/kWh höher lagen als die PV-Vergütungen nach dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz. „Ausschreibungen dienen nur dazu, die deutschen Stromkonzerne zurück ins Spiel zu bringen“, resümierte Falk.

Robert Neumann, Vorstand Bürger-Energie Buxtehude eG, sagte bei der Präsentation, Ausschreibungen würden zu hohen Risikoaufschlägen bei der Finanzierung führen. Dadurch würden sich viele Genossenschaften nicht einmal an Pilotprojekten beteiligen. „Die Akteursvielfalt, die die deutsche Energiewende bislang auszeichnet, wäre in Gefahr“, warnte Neumann.

Die Studie steht hier zum Download bereit. (al)