Die Offshore-Windparks der Nordsee haben im Jahr 2018 rund 16,75 Mrd. kWh Strom erzeugt. Bild: © RWE

Zweite Runde Offshore: Ørsted-Windpark ohne Vergütung

Die zunehmende Kostendegression in den Ausschreibungen von Windparks auf See ist für die Branche ein Signal für Sonderausschreibungen und die Erhöhung der Ausbauziele.

Es hat sich viel getan im Vergleich zur ersten Offshore-Ausschreibung: Nicht nur der durchschnittlich bezugschlagte Gebotswert ist von 0,44 Cent pro kWh auf 4,66 Cent pro kWh gestiegen, auch die Übergangsphase, in der nur bestehende Projekte bezuschlagt wurden, endet und die Ostseequote wurde realisiert.

Die veränderten Wettbewerbsbedingungen seien laut Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, verantwortlich für den höheren Durchschnittswert der bezuschlagten Gebote. An der zweiten Ausschreibung durften nur Projekte teilnehmen, die in der ersten Runde 2017 leer ausgegangen waren. Darüber hinaus wurden bevorzugt Offshore-Windparks in der Ostsee bezuschlagt.

Im Rahmen der sogenannten „Ostseequote“ müssen von insgesamt 1610 MW Ausschreibungsvolumen mindestens 500 MW  in der Ostsee installiert werden. Mit dem Ende der zweiten Ausschreibung läuft auch die Übergangsphase aus, in der insgesamt 3100 MW unter bestehenden Projekten ausgeschrieben worden waren. Gemeint sind damit Bauvorhaben, die bereits vor dem 1.August 2016 genehmigt oder planfestgestellt wurden oder für die zumindest ein Erörterungstermin durchgeführt wurde.

Ørsted gewinnt erneut mit Null-Cent-Gebot

Unter Berücksichtigung des Ausschreibungsvolumens und noch freier Kapazitäten von vorgesehenen Anbindungsleitungen konnten insgesamt sechs Gebote bezuschlagt werden. Darunter war auch ein Null-Cent-Gebot des dänischen Unternehmens Ørsted (ehemals Dong Energy). Nachdem der Energieversorger bereits in der ersten Ausschreibungsrunde mit einem Windpark ohne Förderung erfolgreich aus der Bieterrunde ging, setzte er sich nun mit „Riffgrund West 1“ (420 MW) zu Null Cent pro kWh durch. Auch Innogy gehört zu den Gewinnern und will mit dem Windpark „Kaskasi“ rund 325 MW in der Nordsee realisieren.

Ähnlich wie Thomas Bareiß, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sieht auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Saathoff das Ergebnis der Ausschreibung als positiv für die Wettbewerbsfähigkeit von Offshore-Anlagen. Zudem betonte Saathoff erneut die Wichtigkeit der Sonderausschreibung für einen kontinuierlichen Zubau im Offshore-Bereich: „Die Ergebnisse der zweiten Ausschreibungsrunde zeigen, wie günstig die Offshore-Windkraft mittlerweile ist. 4,66 Cent pro kWh im Schnitt und einige bezuschlagte Null-Cent-Gebote sprechen für eine enorme Kostendegressionen. Damit können wir uns nun an die Umsetzung des Sonderbeitrages Offshore-Windkraft machen, der im Koalitionsvertrag steht. Ohne eine Sonderausschreibung würden rund 700 MW Konverterkapazitäten in der Nordsee für die nächsten acht Jahre leerstehen. Das sollten wir vermeiden.“

"100-Tage-Gesetz" sieht bis jetzt keine Sonderausschreibungen vor

Der Bundestagsabgeordnete spielt damit mahnend auf den Entwurf des „100-Tage-Gesetzes“ an. Dort tauchen die, im Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen für PV-Anlagen, Windkraft an Land und auf See bisher nicht auf. Auch zahlreiche Wind-Offshore-Verbände ( u.a. Stiftung Offshore-Windenergie, AGOW, BWE, WAB) drängen auf Sonderausschreibungen und die Anhebung des Ausbauziels: Die beiden Auktionen im Übergangssystem haben verdeutlicht, dass bei der Nutzung der Windenergie auf See seit 2017 eine unerwartet starke Kostendegression vollzogen wurde.

Diese Entwicklung würde für die zusätzliche Ausschreibung von Netzanbindungskapazitäten sprechen; zudem könnten bestehende freie Kapazitäten an bereits bestehende Offshore-Netzanbindungssysteme vergeben werden. So könnten Leerstandskosten vermieden werden. Mit der zweiten Ausschreibung bleiben aktuell mindestens 800 MW an bestehenden Netzanbindungssystemen frei, von denen 650 MW kurzfristig wirtschaftlich nutzbar wären. Dazu sollte zeitnah eine zusätzliche Ausschreibung stattfinden. 

Die Bundesregierung ist aus Sicht der Branche zudem in dieser Legislaturperiode gefordert, die Ausbauziele für die Windenergie auf See nach oben zu öffnen. Dies ist auch erforderlich, um das Ziel der Bundesregierung von 65 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 zu erreichen. Ein Ausbau von mindestens 20 GW statt dem heutigen offiziellen Ausbauziel von 15 GW bis 2030 ist erforderlich. 30 GW bis 2035 ist als Beitrag zur Erreichung der ambitionierten Klimaziele Deutschlands nötig. Die heutigen Ergebnisse verdeutlichen erneut, dass die Offshore-Windenergie das Potenzial hat, ein wichtiger Bestandteil einer preiswerten Energiewende zu bilden. (ls)