Von links: Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter, Sprecherin für Energiepolitik Julia Verlinden und Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik Christian Kühn von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei der Vorstellung des Aktionsplans in Berlin. Bild: hcn

Grüne: Stadtwerke Rückgrat der Wärmewende

Einen Aktionsplan für eine 100-prozentige regenerative Wärmeversorgung legten die Grünen vor.

„Kommunale Unternehmen sind die entscheidenden Akteure und das Rückgrat unseres Konzeptes für eine Wärmewende“. Dies unterstrich Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen bei der Vorstellung eines Aktionsplans für eine 100-Prozent-Erneuerbare-Wärmeversorgung von Haushalten, Industrie und Gewerbe in Deutschland innerhalb der kommenden 30 Jahre.

Wichtigster Pfeiler einer regenerativen Wärmeversorgung ist mit 30 Prozent die Stromwärme gefolgt von 24 Prozent Umweltwärme, 22 Prozent Bioenergie, 14 Prozent Solarthermie, fünf Prozent Tiefengeothermie sowie fünf Prozent erneuerbaren Gasen.

Flankiert wird dies durch eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz: Der Energiebedarf für Raumwärme und Warmwasser wird im Vergleich zu heute auf etwa die Hälfte gesenkt, die Prozesswärme in Gewerbe und Industrie um ein Drittel. Dies berechnete die Agentur für Erneuerbare Energien in einem Szenario im Auftrag der Grünen.

Die Quartiersversorgung, Wärmenetze und neue Geschäftsmodelle von kommunalen Unternehmen spielen in dem Konzept eine zentrale Rolle. „Stadtwerke entwickeln Energiesparprogramme, investieren in Erneuerbare und profilieren sich als Dienstleister vor Ort, die zum Beispiel Gebäude und Gewerbe mit grüner Wärme aus der Nachbarschaft versorgen“, heißt es in dem Aktionsplan. Entsprechend müssten die Wärmenetze mithilfe gesetzlicher Regelungen für die Einspeisung erneuerbarer Wärme sowie industrieller und gewerblicher Abwärme geöffnet werden.

Ein großes Potenzial bietet laut dem Szenario die Einbindung großflächiger Solarthermieanlagen oder hocheffizienter Groß-Wärmepumpen. Dazu kommt die Einspeisung von Stromüberschüssen mittels Power-to-Heat und die Einbindung von KWK-Anlagen. Flankiert wird dies von einem flächendeckenden Aufbau von kommunalen Wärmespeichern.

Hierzu wollen die Grünen ein Förderprogramm in Höhe von 400 Millionen Euro für 10 000 Wärmespeicher auflegen. Kommunen sollen dabei unterstützt werden, eine umfassende Wärmeplanung mit entsprechenden Sanierungsfahrplänen zu entwickeln.

Im Fokus steht hierbei der Quartiersansatz. „Wir denken energetische Gebäudesanierung nicht länger nur von Haus zu Haus, sondern in Zusammenhängen von städtischen Quartieren, Gewerbegebieten, Dörfern oder Siedlungen. Dadurch erreichen wir gemeinschaftliche Versorgungslösungen, die energieeffizienter und oft auch günstiger sind als eine Vielzahl von Einzellösungen“, heißt es weiter in dem Aktionsplan.

Um warmmietenneutrale Sanierungen für Mieter mit geringerem Einkommen zu ermöglichen, wollen die Grünen ein zwei Milliarden Euro Programm zur energetischen Sanierung von Stadtvierteln auflegen. (hcn)