Branchenlösung zur Flexibilisierung

In einem Leitfaden einigten sich die Verbände der Energiewirtschaft auf Verfahrensgrundsätze für die Erbringung von Regelleistung durch Aggregatoren.

Damit sollen neue Regelungen des im Sommer verabschiedeten Strommarktgesetzes konkretisiert werden, das die Flexibilisierung fördern will. Es sieht in Artikel 26a die Möglichkeit für Letztverbraucher mit Zählerstandsgangmessung oder registrierender Leistungsmessung vor, Regelenergieleistung zu erbringen. „Hierzu sind Regelungen über den Austausch der erforderlichen Informationen zwischen den Beteiligten sowie die Bilanzierung der Energiemengen zu treffen“, heißt es dort.

Seit März dieses Jahres arbeiteten die Verbände an Vorschlägen für entsprechende Verfahrensstandards, die nun in einen Branchenleitfaden einflossen. Beteiligt waren neben den vier Übertragungsnetzbetreibern der VKU, BDEW, BEE, BNE, Bitkom, Geode und die Dena. Koordiniert wurde das Verfahren im Auftrag der Bundesnetzagentur vom BNE. „Wir wollen damit einen Beitrag zur verstärkten Integration von Flexibilitätsvermarktern in den Strommarkt 2.0 leisten“, unterstrich Sebastian Schnurre, Leiter Flexibilität und Digitales beim BNE bei der Vorstellung des Leitfadens gestern in Berlin. So ist vorgesehen, dass ein Aggregator die Bilanzkreise der Lieferanten korrigiert. Zugleich soll er die wirtschaftlichen Risiken im Falle von Bilanzungleichgewichten übernehmen. Zudem muss der Aggregator den Lieferanten Aufwandsentschädigungen zahlen. Die genaue Höhe wird von der Bundesnetzagentur bestimmt. Der Aggregator muss ferner den Datenaustausch zwischen Lieferant, Stromkunde und Netzbetreiber sicherstellen.

Schnurre wies darauf hin, dass der Leitfaden nur für Sekundärregelleistung und Minutenreserveleistung über Drittpartei-Aggregatoren gilt. Vorgesehen ist nun in Phase 1 eine Interimslösung, die bestehende Hemmnisse beseitigt und weitere Standardisierungsschritte einleitet. Ab 2020 soll der Datenaustausch vollautomatisiert ablaufen, Hand in Hand mit der bis dann vorgesehenen Umsetzung einer sternförmigen Marktkommunikation wie sie das Messstellenbetriebsgesetz vorsieht.

BNetzA und das Bundeswirtschaftsministerium müssen nun die in dem Leitfaden vorgesehenen Verfahren rechtlich festschreiben und bestehende Regelungen wie die Mess- und Eichverordnung anpassen. Doch Schnurre zeigte sich optimistisch, dass dies zeitnah in den kommenden Wochen geschieht und die Branche ab Frühjahr mit dem Leitfaden arbeiten kann. (hcn)