Das Braunkohlekraftwerk Neurath von RWE ist mit einer Leistung von 4400 MW das größte Kraftwerk in Deutschland. Bild: © TelepermM/Wikipedia

RWE pocht beim Kohleausstieg auf Eigentumsrechte

Deutschlands größter Kohleverstromer RWE bringt sich für die Verhandlungen in der Kommission zum Kohleausstieg in Stellung.

"Unsere Eigentumsrechte müssen gewahrt bleiben", sagte RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz am Donnerstag bei der Hauptversammlung mit Blick auf eine mögliche vorzeitige Abschaltung von Kraftwerken. Die Kommission soll laut Koalitionsvertrag noch in diesem Jahr ein Enddatum für den Ausstieg aus der Kohlestrom-Produktion in Deutschland festlegen. Außerdem soll sie einen Plan für das schrittweise Abschalten der Kraftwerke erarbeiten und die finanzielle Abfederung des Strukturwandels klären.

Schmitz warnte vor einer schnellen Beendigung der Kohleverstromung: "Gleichzeitig aus Kernenergie und Kohlestrom aussteigen - das ist zu viel." Konventionelle Kraftwerke würden als "Sicherheitsnetz für die Energiewende" benötigt. Beim Klimaschutz habe RWE seine Hausaufgaben gemacht und im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen um zehn Mio Tonnen gesenkt. Bis 2030 plane RWE den Ausstoß an Klimagas im Vergleich zu 2015 um 55 bis 65 Mio Tonnen zu reduzieren.

Konkurrenz zwischen Braun- und Steinkohle

Der Kohleausstieg dürfte sich auch zu einer Konkurrenz der Kohlearten untereinander entwickeln. Denn bei Umweltbelastung und Flexibilität der Kraftwerke unterscheiden sich Braunkohle und Steinkohle. Der Chef des Essener Steinkohleverstromers Steag, Joachim Rumstadt, hat kürzlich den Ton der Auseinandersetzung vorgegeben. Bei der Verstromung von Braunkohle entstehe rund ein Drittel mehr Kohlendioxid als bei der Steinkohleverstromung, sagte Rumstadt. "Das muss die Kohlekommission bei der Entwicklung von Ausstiegsszenarien berücksichtigen."

RWE hält dem die Modernisierung seiner Braunkohlekraftwerke entgegen. Sie seien für ein häufigeres und schnelleres An- und Abfahren fit gemacht worden und hätten schon bei einer geringen Last einen hohen Wirkungsgrad. Auch bei der Rauchgasreinigung gebe es große Fortschritte. Braunkohle ist der wichtigste konventionelle Energieträger bei der Stromerzeugung in Deutschland. Im vergangenen Jahr stammten 22,6 Prozent der Produktion aus Braunkohle, 14,4 Prozent aus Steinkohle. (hil/dpa)