Einerseits müssen Digitalisierung und Energiewende Hand in Hand gehen, andererseits führt die enorme Rechnerleistung zu höheren Treibhausgasemissionen - dieses Dilemma will das BMU nun mit einer Digitalagenda lösen.
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BMU: 70 Maßnahmen für umweltfreundlichere Digitalisierung

Dass sich digitale Transformation und Umweltschutz miteinander vereinen lassen, will das Bundesumweltministerium beweisen. Dazu wurde nun die umweltpolitische Digitalagenda vorgelegt.

Das Ministerium von Svenja Schulze (SPD) hat am Montag die erste Strategie in Europa vorgelegt, die Digitalisierung und Umweltschutz miteinander verbinden soll. 70 Maßnahmen wurden dazu in den letzten Wochen erarbeitet – dabei geht es um weit mehr als die Effizienzsteigerung in Rechenzentren.

„Umweltschutz gehört in jeden Algorithmus. Denn ungesteuert wird die Digitalisierung zum Klimaproblem. Mit den richtigen Leitplanken kann die Digitalisierung aber auch dabei helfen, den Klimawandel einzudämmen und das Artensterben zu stoppen. Darum müssen wir zum einen die Digitalisierung in umweltgerechte Bahnen lenken. Zum anderen gilt es, die enormen Chancen der Digitalisierung für den Umweltschutz nutzen“, erklärte Schulze am Montag.

Langlebiges Produktdesign

Die Agenda sieht neben einem Register für Rechenzentren, die das Umweltbundesamt erarbeiten und die als Datengrundlage für künftige Effizienzvorgaben dienen soll, eine Anpassung der EU-Ökodesign-Richtlinie vor. Akkus von Tablets und Smartphones sollen austauschbar gemacht werden müssen und Hersteller verpflichtet werden, Ersatzteile oder Updates für eine Mindestfrist anzubieten – alles, um das Leben der Geräte zu verlängern.

Ein weiterer Punkt, der künftig umweltfreundlicher werden soll, ist das Online-Shopping. Dabei steht mehr Transparenz über die einzelnen Produkte im Vordergrund. Ein schneller Weg dahin wären Selbstverpflichtungen der Onlinehändler, Umweltschutzkriterien in ihre Such-Algorithmen einzubauen oder Produkte mit dem Blauen Engel gesondert anzuzeigen. Ebenfalls denkbar wäre ein digitaler Prdouktpass, in dem aufgeführt ist, wie umweltfreundlich die Produktion der einzelnen Produktbestandteile war.

EU-Ratspräsidentschaft soll helfen

Handlungsbedarf sieht das Ministerium darüber hinaus auch bei Streaming-Dienstleistern, die zum Beispiel im Rahmen einer Selbstverpflichtung dazu gebracht werden solle, Rechenzentren zu 100 Prozent mit Ökostrom zu betreiben und Abwärme sinnvoll zu nutzen. Diese und viele weitere Punkte der Digitalagenda sollen auf der Republica im Mai diskutiert werden. Zudem will Schulze die EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr diesen Jahres nutzen, um ihre Anliegen auf EU-Ebene voranzutreiben.

Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltpolitik, und Tabea Rößner, Sprecherin für Netz- und Verbraucherpolitik sehen die Vorstöße der Umweltministerin allerdings mit Skepsis: Zwar sei es gut, dass das Umweltministerium die Debatte um die ökologische Ausgestaltung der Digitalisierung aufgreift und mitgestalten will. Viele Maßnahmen würden aber vage und unverbindlich bleiben. "Zahlreiche wichtige Punkte tauchen im Papier der Umweltministerin gar nicht auf. Es fehlen wichtige Anreize für die Reparatur von Elektrogeräten, um sicherzustellen, dass weniger Elektroschrott auf dem Müll landet", so die Sprecherinnen und weiter: "Das Umweltministerium verpasst beispielsweise die Chance, durch einen reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Reparaturdienstleistungen Anreize zu schaffen, um Elektrogeräte zu reparieren und länger nutzbar zu machen." (ls)