Mike Diekmann, Direktor Leiter Handelsservice VNG, Uwe Zimmermann, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Matthias Wierlacher, Vorstandsvorsitzender der Thüringer Aufbaubank, Rainer Otto, Geschäftsführer Vi-Strategie, Dr. Sebastian Lührs, Leiter Strategie und Geschäftsentwicklung Eon Deutschland, Andre Horn Partner Corporate Finance, Leiter Branchencenter Energiewirtschaft BDO Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (von links) © VI-Strategie

Bedroht Preisverfall kommunale Geschäftsmodelle?

Beim Mitteldeutschen Energiegespräch überwog eher der Optimismus – Not macht bekanntlich auch erfinderisch.

Die Energiewende und ihre Nebenwirkungen: Weil die Preise für erzeugten Strom immer weiter sinken und fossil befeuerte Kraftwerkstechnik unrentabel wird, kommen traditionelle Geschäftsmodelle an die Grenzen. Geraten damit zunehmend auch kommunale Unternehmen in Gefahr, die zumindest zum Teil in den letzten Jahren erhebliche Mittel in Gaskraftwerke investiert haben? Und was bedeutet das für den üblichen kommunalen Querverbund bei den Finanzierungen von ÖPNV, Schwimmbädern und anderen zuschussbedürftigen Einrichtungen, die bislang aus den Gewinnen der Stadtwerke betrieben werden könne?

Mit dieser Fragestellung hatte das bereits in seiner 12. Auflage stattfindende Mitteldeutsche Energiegespräch in Erfurt für großes Interesse gesorgt, zumal erste Ergebnisse aus einer Studie des Kompetenzzentrums für für Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge der Universität Leipzig angekündigt waren. Prof. Oliver Rottmann, der bereits seit mehreren Jahren an dieser Thematik forscht und zahlreiche Analysen vorgelegt hat, konnte dafür 24 Stadtwerke zu den wirtschaftlichen Folgewirkungen der Energiewende auf die städtischen Haushalte befragen und ein erstes Fazit vorlegen: Bislang halten sich die Auswirkungen in engen Grenzen.

Keine Krisenstimmung – eigentlich

Das hat wohl auch eine Ursache darin, dass sich bis zum Geschäftsjahr 2016 die Negativwirkungen aus der Kraftwerkssparte nur auf einen kleinen Teil der kommunalen Unternehmen beschränkt haben und zudem durch die bis dahin relativ guten Renditen aus dem Netzbetrieb zumindest teilweise kompensiert wurden. „Die Ertragslage hat sich in vielen Unternehmen sogar positiv entwickelt“, berichtete Hermann Mehlig, Prokurist bei PWC. Die Investitionen lagen 2016 im Schnitt deutlich über den Abschreibungen, es herrsche eigentlich keine Krisenstimmung.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Denn zum einen haben nach den Untersuchungen von PWC rund ein Drittel aller kommunalen Versorger eine „herausfordernd hohe Verschuldung, zum anderen werden erst ab jetzt neue Regulierungsmaßnahmen wie die neuen Höchstsätze für die Netzbetreiber wirksam. Zudem besteht die Sorge, dass mit den neuen Ausschreibungsmodellen kleine Unternehmen kaum noch an neue Projekte im Bereich Windenergie kommen. „Wir müssen dringend neue Geschäftsmodelle für das jeweilige Unternehmen identifizieren und prüfen, ob diese skalierbar sind und ob wir sie mit gut ausgebildetem Personal auch umsetzen können“, sagte Mehlig.

Chancen bei der Transformation

Michael Wübbels, Leiter der Abteilung Energie beim VKU sieht allerdings auch die besten Chancen für die Kommunalen bei der zwingend notwendigen Transformation der Geschäftsmodelle. Anders als die Großen sei man schließlich schon von Grund auf dezentral aufgestellt und habe mit der – politisch leider noch nicht angemessen geförderten - Kraft-Wärme-Kopplung auch eine verlässliche Technologie für die mittelfristige Perspektive. Ergänzt durch neue Dienstleistungsangebote und Smart Services werde man diese Herausforderungen stemmen. (masch)