Das Braunkohle-Kraftwerk Neurath im Rheinisch-Bergischen Revier. Bild: RWE

BMU-Berater empfehlen strategische Reserve

Das Bundesumweltministerium steht vor einer Positionierung in der Frage des künftigen nationalen Strommarktdesigns.

Das Analysehaus Energy Brainpool, Berlin, gab heute das Ergebnis einer vergleichenden Untersuchung von vier diskutierten Strommarktmodellen im Auftrag des BMU bekannt: Demnach erreicht die strategische Reserve in sechs von sieben Bewertungskriterien die höchste Punktzahl. Auf Platz zwei folgt der u. a. von den Branchenverbänden VKU und BDEW bevorzugte "nachfragebasierte Leistungsmarkt", auch "integriertes Energiemarktdesign" genannt.

Abgeschlagen auf dem dritten Rang landet in der Untersuchung der "fokussierte Leistungsmarkt", in dem nur die Vorhaltung von Kraftwerken auf Basis bestimmter Energieträger einen Preis erhält. Dieses Modell überzeugte die Studienautoren Thorsten Lenck und Tobias Huschke nur mit seinem Beitrag für die Energiewende.

Auf dem letzten Platz rangiert der "umfassende Kapazitätsmarkt". Er erhielt lediglich in puncto Effektivität eine gute Note. Der bisherige "Energy-only-Markt", der von Akteuren wie der Börse EEX verteidigt wird und ausschließlich Strommengen, aber keine Kraftwerkskapazität bepreist, war im Vergleich nicht enthalten; ebenso wenig war Bestandteil des Auftrags, die grundsätzliche Notwendigkeit einer Neuerung zu analysieren.

Die sieben Bewertungskriterien waren Effektivität, Effizienz, "Transformationsbeitrag" (zur Energiewende) (diese drei Gesichtspunkte mit 60 % gewichtet), Verteilungseffekte, Passfähigkeit in nationale und europäische Institutionen sowie Robustheit gegenüber unvorhergesehenen Änderungen. Vorgegebenes Ziel war, wie die Versorgungssicherheit zu effizienten Kosten aufrechtzuerhalten ist.

Die Studie bindet das BMU zwar nicht, doch sie lässt Rückschlüsse zu, wie sich das Ministerium in dieser Frage positioniert. Schließlich ist die "vergleichende Untersuchung" von Energy Brainpool die einzige Auftragsstudie des BMU im Hinblick auf das Strommarktdesign.

Unter der Prämisse, dass sich auch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) die Mitte November veröffentlichte Meinung seines Wissenschaftlichen Beirats zu Eigen macht, wären sich die beiden für Energie zuständigen Bundesministerien auch in der Frage des künftigen Strommarktdesigns uneinig. Der Beirat hatte Kapazitätsmärkte empfohlen. Bereits im April 2012 hatte das Energiewirtschaftliche Institut der Uni Köln (Ewi) in einer BMWi-Auftragsstudie kurz vor dessen 2. Kraftwerksforum sog. "Versorgungssicherheitsverträgen", einer Art Kapazitätsmarkt, den Vorzug vor einer strategischen Reserve gegeben. Doch der künftige Ressortzuschnitt ist ebenso wenig bekannt wie die Besetzung der Ministeriumsspitze(n). Offensichtlich ist nur, dass der nur noch geschäftsführende Wirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) abtreten muss.

Die potenziellen Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD hielten im Koalitionsvertrag vom 27. November die Frage offen. Es ist dort nur von der Weiterentwicklung der Netzreserve die Rede. Wörtlich:
"– Für die nächsten Jahre wollen wir die Netzreserve weiterentwickeln (Ausschreibungsmodelle auf Ebene der Übertragungsnetzbetreiber). Damit die Kosten für die Absicherung der wenigen Jahresstunden mit den höchsten Lasten begrenzt bleiben, können, soweit verfügbar, bestehende fossile Kraftwerke die Netzreserve bilden.

– Um kurzfristige Risiken für die Versorgungssicherheit zu vermeiden, werden wir
darüber hinaus dafür sorgen, dass die Bundesnetzagentur im Rahmen der anstehenden Untersuchungen auf Grundlage der Reservekraftwerksverordnung die
Errichtung neuer regional erforderlicher Kraftwerkskapazitäten zügig prüft und
gegebenenfalls sicherstellt." (geo)

Externer Link zum Herunterladen der Energy-Brainpool-Untersuchung
(40 Seiten)
Externer Link zum Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des BMWi