Von links: Dr. Guido Wustlich vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Oliver Hummel, Vorstand der Naturstrom AG, Oliver Hummel, EWE-Chef Dr. Werner Brinker, Dr. Armin Sandhövel, CIO von Allianz Global Investors und Trianel-Chef Sven Becker. Bild: BDEW

BMWi will bei grünen Ausschreibungen nachsteuern

Auf dem BDEW-Kongress kündigte ein BMWi-Mitarbeiter ein Eckpunktepapier in "absehbarer Zeit" an. Kontroverse Diskussion um Akteursvielfalt.

Insgesamt zeigt sich Dr. Guido Wustlich vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) "sehr positiv überrascht" von der ersten Ausschreibungsrunde von PV-Anlagen im Rahmen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Insbesondere die große Wettbewerbsintensität sei gut für Kosteneffizienz gewesen. Als absehbar bezeichnet er die etwas über den EEG-Kosten liegenden Abschlüsse. Schließlich sei der Markt für Freiflächen-PV-Projekte zuvor am Erliegen gewesen. Für Wustlich ist dagegen die geringe Akteursvielfalt eher ein Problem. 40 % des Gesamtumfangs von 150 MW ging an einen Bieter. Hier kündigt der BMWi-Mitarbeiter ein Nachsteuern des Ministeriums an. "Wir müssen von vornherein verhindern, dass es zu Marktkonzentrationen kommt", so Wustlich auf dem Bundeskongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin.

Ü
ber den gangbaren Weg werde das BMWi auch Gespräche mit den Beteiligten führen. In "absehbarer Zeit" werde das BMWi dazu ein Eckpunktepapier vorlegen. Dieses soll Basis dafür sein, um 2016 eine entsprechende Verordnung verabschieden zu können. Konkreteres wollte Wustlich dazu nicht sagen, lediglich soviel, dass zwei Vorgaben gelten: Einerseits müsse die Regelung technologiespezifisch auf einzelne Energieträger eingehen, andererseits gelte das Motto: Keep it simple. "Die Technologien sind so unterschiedlich, dass man jeweils ein eigenes Ausschreibungsdesign benötigt", betonte Wustlich in Berlin. Eine Volumenbegrenzung für einzelne Akteure ist nach Aussage des Referatsleiters im BMWi nicht vorgesehen.

Bei den Unternehmen fällt die Bewertung der ersten Auktion in diesem Frühjahr unterschiedlich aus. Oliver Hummel beklagt, dass die "bisherigen Treiber der Energiewende", kleine Unternehmen und Genossenschaften, nicht zumZug kamen, so der Vorstand von Naturstrom.

Trianel-Chef Sven Becker sieht dies deutlich positiver."Es ist noch nicht alles rund", aber es würden schließlich Erfahrungen gesammelt und das marktliche Element würde effiziente Prozesse befördern. Die Stadtwerkekooperation ist bei drei von sechs Losen mit insgesamt 18 MW zum Zuge gekommen. Becker geht davon aus, dass das Konzept der Ausschreibung"die Integration der etablierten Spieler" befördert. Dass 40 % an ein Unternehmen ging, sieht er weniger problematisch. "Das zeigt, dass der Akteur auch die besten Projekte an den Start gebracht hat." Auch ein Flächenproblem erwartet Becker nicht. Unter anderem seien insbesondere bei PV auf Dächern "noch signifikante Potenziale" vorhanden.

Der norddeutsche Energieversorger EWE hat an der Auktion nicht teilgenommen. "Es ist nicht kostengünstig, Solaranlagen in Ostfriesland aufzubauen", sagte EWE-Chef Dr. Werner Brinker in Berlin. Auch Brinker sieht die Dominanz eines Unternehmens weniger kritisch. Angesichts der umfangreichen Gesamtinstallation von Ökostromanlagen in Deutschland könne man bei 60 MW nicht von einer Marktkonzentration sprechen.

Bewusst nicht involviert in die Ausschreibungen war auch das Investmentunternehmen Allianz Global Investors. Nach Ansicht von CIO Dr. Armin Sandhövel haben die erzielten Renditen gezeigt, dass diese im Solarbereich für Finanzinvestoren in Deutschland momentan nicht ausreichen. Auch an den für nächstes Jahr geplanten Ausschreibungen für Windenergie werde sich die Allianz-Tochter nicht beteiligen, kündigte Sandhövel an, der mit Preissteigerungen bei kommenden Projekten rechnet. Dagegen zeigte er sich davon überzeugt, dass bei der "nächsten großen Offshoreausbau-Welle" die Finanzinvestoren mit im Boot sind.

Insgesamt betrachtet der Finanzexperte die Situation differenziert. "Wir zahlen in Deutschland mehr für ein stabiles regulatorisches Umfeld", dafür sei die Liquidität häufig schlechter alsim Ausland. Für das Unternehmen gelten Inventionen im so genannten Sekundärmarkt, und damit der Kauf bereits bestehender Projekte, als interessant. Deshalb ist für Sandhöveldie spannende Frage, wie sich die Auktionierungen hier auf die Preise auswirken. (mn)