Netzentwicklungsplan vorgestellt

Heute ist der Netzentwicklungsplan der Übertragungsnetzbetreiber vorgestellt worden. Er ist nötig, um den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem damit notwendigen Netzausbau zu synchronisieren.

Der erste Entwurf des Netzentwicklungsplans ist auf der Internetseite http://www.netzentwicklungsplan.de veröffentlicht worden. Die Konsultation zum Plan wird sechs Wochen betragen und demnach am 10. Juli auslaufen.

„Der BDEW wird sich konstruktiv an dem Konsultationsverfahren beteiligen” sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Es liegt an der Politik, das Thema Netzausbau schnell auf den Weg zu bringen, damit dieses nicht mit in den nächsten Wahlkampf hineingezogen wird. Persönliche Interessen müssen beim dringend notwendigen Netzausbau so weit es geht zurückstehen. Der frühzeitige Dialog mit den Bürgern darf daher nicht vernachlässigt werden”, betonte Müller.

Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Entscheidend für den zügigen Netzausbau ist es nun, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Oft gehen die Stromleitungen über mehrere Ländergrenzen hinweg. Ohne gemeinsame Anstrengungen und ausreichende Akzeptanz in der Bevölkerung steht der geplante Umstieg auf erneuerbare Energien auf der Kippe. Dabei ist es wichtig, nach Wegen zu suchen, wie die Bürger noch frühzeitiger an den Planungsprozessen beteiligt werden können.”

Ingrid Nestle für Bündnis 90/Die Grünen: „Wir müssen die Stromnetze fit für 100 % erneuerbare Energien machen. Der Netzentwicklungsplan ist ein wichtiger erster Schritt dazu.” Der Entwurf des Netzentwicklungsplans wird noch keine konkreten Strecken enthalten, sondern lediglich grobe Korridore. Viele Menschen, die von neuen Trassen betroffen sein werden, wissen noch nichts davon. „Sechs Wochen Konsultation sind zu knapp bemessen. Die Bundesregierung darf die Netzplanung nicht aus wahltaktischem Kalkül überhasten. Echte Bürgerbeteiligung braucht Zeit”, so Nestle. „Vor allem aber müssen Merkel, Rösler und die Konzerne ihr perfides Spiel beenden, die Bürgerinitiativen permanent als Sündenbock für den verschleppten Netzausbau zu missbrauchen.”

Eurosolar kritisiert, dass die deutsche Bundesregierung, die Bundesnetzagentur und die Übertragungsnetzbetreiber den deutschen Bürgern suggerieren, dass der Bau von 4000 km neuen Stromtrassen eine unausweichliche Notwendigkeit sei, ohne die die Energiewende nicht zu realisieren ist. Doch dem sei nicht so: „Was als unvermeidbar dargestellt wird, ist in Wirklichkeit eine ganz bewusste Entscheidung, genau diejenigen Versorgungs- und Machtstrukturen zu bewahren und sogar auszubauen, die durch den dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren zurückgedrängt worden sind.” Viele Bundesländer betrieben inzwischen eine Raumordnung, die es erlaube, die lokalen und regionalen Potenziale zur regenerativen Stromerzeugung besser und systematischer auszuschöpfen. Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, aber inzwischen auch Bayern und Baden-Württemberg machen durch ihre Ausbaupläne den Entwurf des nationalen Netzentwicklungsplans schon jetzt obsolet. „Gerade der dezentrale Ausbau der Erneuerbaren Energien bietet die Chance, Strom genau dort zu erzeugen, wo er benötigt wird. Unnötig große Distanzen zwischen dem Ort der Erzeugung und dem Ort des Verbrauchs lassen sich so vermeiden und die erforderliche Länge neuer Stromtrassen deutlich reduzieren”, so Peter Droege, Präsident von Eurosolar.(al)