Mainova: Datenhoheit soll bei VNB bleiben!

Angesichts der heutigen ersten Lesung des Digitalisierungsgesetzes im Bundestag, plädiert der Versorger, den bisherigen Abrechnungsprozess beizubehalten.

"Bislang erfasst der Verteilnetzbetreiber (VNB) als verantwortlicher Akteur die Messwerte aus den Zählern der Kunden, plausibilisiert diese und meldet die Daten an den vorgelagerten Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)", schildert Dr. Constantin H. Alsheimer, Mainova-Vorstandsvorsitzender, das bisherige Prozedere. In dem Entwurf zum Digitalisierungsgesetz, das die Einführung von "Smart Meter" in Deutschland regelt, ist jedoch vorgesehen, das Verhältnis umzudrehen: Darin sollen die ÜNB die Kundendaten überprüfen, bündeln und anschließend in aggregierter Form an die VNB weitergeben. Alsheimer geht von zusätzlich "erheblichen Kosten für die Kunden aus", da die ÜNB erst einmal die neue – und  im Vergleich zu heute – doppelte Struktur aufbauen müssten. "Mainova fordert daher, den bestehenden Abrechnungsprozess zwischen ÜNB und VNB zu erhalten", so Alsheimer. Das vermeide unnötigen, zusätzlichen und kostspieligen Aufwand.

Darüber hinaus plädiert der Mainova-Chef dafür, dass die separate Kunden-Rechnung für die Messentgelte auch über die Rechnung des Energieversorgers gestellt werden dürfe. Kein Kunde verstehe, warum ein möglicher zusätzlicher Anbieter eine Rechnung schreibe, "von dem der Kunde im Zweifelsfall noch nie etwas gehört hat", so Alsheimer.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie mahnt Eile an: "Wir können uns keine weiteren Verzögerungen leisten", sagt Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Er forderte eine "sichere Kommunikationsinfrastruktur sowie neue Tarife und Dienstleistungen". Den Kunden müsse erklärt werden, warum die Smart-Meter höhere Kosten verursachen. Außerdem sei es wichtig, Vertrauen in den sicheren Umgang mit den Daten zu schaffen. Die im Kabinettsentwurf enthaltene Datenschutzregelung in diesem Bereich sei der "weltweit konsequenteste Ansatz in Bezug auf Sicherheitsanforderungen für intelligente Messsysteme", bekräftigt Mittelbach.

Der Bundestag berät heute in erster Lesung über das "Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende". Zuvor hatte das Bundeskabinett in einer Antwort an den Bundesrat die Mehrzahl der Empfehlungen der Länderkammer abgelehnt. Vor allem die höchst umstrittene Regelung, dass künftig die ÜNB die Daten von Last- und Einspeisegängen als erster bekommen und diese nur noch in aggregierter Form an die VNB weiterleiten soll. (sg)