Denkfabrik: Bislang weniger Ökostrom als 2012

Die Erneuerbaren können nach Berechnungen des IWR an der drohenden Erhöhung der EEG-Umlage gar nicht schuld sein.

Deutschland hat in diesem Jahr bis Ende August 1,3 Mrd. kWh bzw. 2,6 % weniger "Ökostrom" (gemeint sind Wind- und Solarstrom) produziert als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Dies hat das Internationale
Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster aus Zahlen der Strommarkt-Transparenzplattform der Börse EEX und der Übertragungsnetzbetreiber ausgerechnet.

Da die EEG-Fixsätze pro kWh produzierten Grünstroms bezahlt werden, ist für IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch klar, dass der Zubau an Stromerzeugungsanlagen in diesem Jahr nicht die Ursache für die von Bundesregierungs-Kreisen angekündigte Erhöhung der EEG-Umlage um 20 % auf über 6 ct/kWh (netto) zum 1. Jan. 14 sei. Ähnlich hatten sich der Bundesverband Erneuerbare Energie und zuvor das Analyseinstitut Energy Brainpool im Auftrag der Grünen geäußert.

Vielmehr, so das IWR weiter, sei die seit Anfang 2010 laufende Pflichtvermarktung der EEG-geförderten Strommengen an der Börse Epex Spot dafür hauptverantwortlich. Sie spüle einen Großteil des Grünstroms in einen Graustrommarkt und senke dadurch die Großhandelspreise. Zusammen mit ständig mehr EEG-Industrieprivilegien habe sich so eine "Spirale" in Gang gesetzt. Allnoch plädiert für ein marktnäheres Wälzungssystem, in dem jeder der 1100 deutschen Stromvertriebe selbst die Erneuerbaren-Quote seines Strommixes festsetzt und dann auf dem Grünstrommarkt einkaufen muss.

Die bis Juli verfügbaren EEG-Vermarktungszahlen der Übertragungsnetzbetreiber bestätigen die IWR-Zahlen: In diesem Jahr brachten sie 37 Mrd. kWh EEG-Strom an die Börse, während es vergangenes Jahr bis Ende Juli bereits 45 Mrd. kWh gewesen waren. Während Photovoltaik, Biomasse und sonstige Quellen mehr oder weniger stabil blieben, sank die von den ÜNB vermarktete Windstrommenge von 11,1 auf 4,4 Mrd. kWh.

Auch die Ausgaben für EEG-Fixvergütungen gingen im 2012/2013-Vergleich der Zeiträume von 11,8 auf 11,5 Mrd. € zurück. Allerdings sanken die Einnahmen aus der Börsenvermarktung – wegen des niedrigeren Preisniveaus – stärker: von 1,9 auf 1,3 Mrd. €. (geo)