Das Bildnis des deutschen Waldes ist von Zerstörung geprägt.
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Der Wald der Zukunft wird anders aussehen

Die Trockenheit und der Borkenkäfer haben dem deutschen Wald arg zugesetzt. Welche Auswirkungen es hatte und was jetzt noch getan werden kann, zeigt der Vorsitzende des Bundes deutscher Forstleute und Stadtförster (BDF), Dirk Schäfer, auf.

Der Vorsitzende des in Wolfsburg gelegenen BDF, Dirk Schäfer, spricht sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur für ein Umdenken aus. Damit der deutsche Wald zu erhalten und resistenter gemacht wird. Im Hinblick auf die aktuelle Situation betonte er: "Die lange Trockenheit der beiden vergangenen Sommer war für viele Bäume eine echte Zäsur."

Auch die tiefen Bodenschichten seien ausgetrocknet, die Bäume bekommen nicht ausreichend Wasser. Der aktuelle Regen helfe zwar, aber müsse tief eindringen, um die Wasserspeicher wieder aufzufüllen.

Klimawandel ist schuld

Gerade der Wassermangel habe die Bäume anfällig für den Borkenkäfer gemacht, der seine Eier in der Rinde ablegt. Denn durch den Mangel hätten die Bäume nicht genügend Harz produzieren können, um den Käfer abzuwehren.

Dem Klimawandel gibt der Vorsitzende hierfür eine Teilschuld. "Dieser ist vor unserer Haustür angekommen. Er macht sich in unseren Wäldern stärker bemerkbar als Prognosen vermutet haben."

Ein Waldsterben der anderen Art

"Dem Waldsterben in den 80er Jahren, das durch Industriegifte ausgelöst war, konnten wir mit Filteranlagen bekämpfen. Heute können wir nur schwer etwas an den Ursachen ändern", fuhr der 51-Jährige fort. Jeder einzelne müsse letztlich seinen Lebensstil grundlegend umstellen.

"Wir Förster müssen nun die Schadflächen wieder aufforsten - aber dafür fehlen Geld und Arbeitskraft. In den vergangenen Jahren wurde die Hälfte des Forstpersonals eingespart. Das rächt sich jetzt", kritisiert Schäfer.

Sterben wie Eintagsfliegen

Vor allem Fichten und Lerchen seien besonders von der Trockenheit betroffen. "Nachdenklich machen mich aber besonders die Rotbuchen, die unser Bild vom hiesigen Wald prägen. Sie haben die Trockenheit überhaupt nicht gut vertragen. Ich habe 170, 180 Jahre alte Exemplare absterben sehen", berichtet der Förster aus seinem Alltag.

Baumarten wie Kiefern und Eichen, die weniger leiden, würden sich stärker im Wald der Zukunft verbreiten, ist sich der Experte sicher. Außerdem würden sich Baumarten aus dem Süden, wie beispielsweise die Esskastanie, ansiedeln.

Auch die Tierpopulationen verändern sich

Im Hinblick auf die heimische Tierwelt kann der Förster bis zu einer gewissen Grade beruhigen: "Es werden bei uns keine Arten aussterben, aber die Populationen werden sich verändern."

Fledermäuse zum Beispiel verstecken sich im Holz und werden ihre Quartiere woanders finden müssen. Auch Spechte sind betroffen. Sie bauen ihre Höhlen in dicken Bäumen. "Das wird schwerer, wenn die alten Bäume absterben", zeigt er auf. (ab/dpa)