Der Energieverbrauch in Mehrfamilienhäusern stieg 2017 erstmals seit 2005 wieder an. Bild: De-okin (talk)/Wikipedia.de

Die Wärmewende strauchelt

Aktuelle Studie von Techem: Energieverbrauch bei Privatwohnungen steigt erstmals seit 2005 fühlbar an.

Mehrfamilienhäuser in Deutschland fallen in puncto Energieeffizienz zurück. Im vergangenen Jahr sind Wärmeverbrauch und CO2-Emissionen nach elf aufeinanderfolgenden Jahren des Rückganges wieder angestiegen. Das ist ein Ergebnis der Energiekennwerte-Studie 2017, die der Energiedienstleister Techem veröffentlicht hat. Insgesamt wurden dafür die Wärme- und Warmwasserverbräuche von 1,3 Millionen Wohnungen in 115 000 Mehrfamilienhäusern in Deutschland ausgewertet, die Witterungseinflüsse wurden dabei herausgerechnet.

Für die einzelnen Energieträger hieß das im Vergleich zu 2015 ein witterungsbereinigtes Plus von 2,8 Prozent bei Erdgas, 3,5 Prozent bei Fernwärme und sogar annähernd 4,7 Prozent bei Heizöl. Der CEO von Techem, Frank Hyldmar, spricht angesichts dieser Zahlen von dringendem Handlungsbedarf: "Der Energieverbrauch in Wohnungen entscheidet nicht nur darüber, ob wir unsere Klimaziele einhalten können, sondern auch über die Kostenbelastung für die Mieter." In den vergangenen Jahren hätten die real abgerechneten Brennstoffpreise insgesamt stagniert oder seien sogar gefallen, was die Amortisierung von Energieeffizienzmaßnahmen erschwert habe.

In Zeiten stabiler Energiepreise fallen gestiegene Verbrauchswerte oft nicht auf. Deshalb fordert Hyldmar nun umso dringlicher, alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Verbrauch von Wärmeenergie im Gebäudesektor nachhaltig zu senken. "Es muss endlich ein Anreizsystem für wirtschaftlich sinnvolle Effizienzmaßnahmen geschaffen werden. Hierfür stehen für das gesamte Heiz- und Gebäudesystem solche sinnvollen und bezahlbaren Maßnahmen zur Verfügung. Ich wünsche mir von der neuen Bundesregierung, dass ein stärkerer Fokus auf technische Ansätze gelegt wird, die zu möglichst geringen Kosten möglichst viel Energieeffizienz erzielen". Die Energiekennwerte-Studie von Techem ist in diesem Jahr bereits in der 18. Auflage erschienen und gilt als Standardwerk für die Immobilienbranche. (sig)