Dynamik der Energiewende ausgebremst

Eine kritische Zwischenbilanz des EEG 2014 ziehen Vertreter der Erneuerbare-Energien-Branche. Es trat vor einem Jahr in Kraft.

„Deutschland hat national und europäisch weitreichende Ziele für die Einsparung von Treibhausgasen und die Nutzung Erneuerbarer Energien vorgelegt und war auf gutem Weg, sie zu erreichen“, sagt Herman Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). „Mit dem EEG 2014 wurde jedoch die Bremse angezogen. Ausbaukorridore für Erneuerbare Energien im Stromsektor haben seitdem den Aufschwung im Stromsektor bei Photovoltaik und Bioenergie bereits deutlich ausgebremst“.

Bei Windenergie sei in den nächsten Jahren damit zu rechnen. Vor allem die vorgesehenen Ausschreibungen sorgten für Verunsicherung und seien nicht geeignet, die Energieversorgung in eine dezentrale und nachhaltige Zukunft zu überführen. Heute könne davon ausgegangen werden, dass bei einer Umsetzung der Korridorvorgaben die nationalen Ausbauziele verfehlt werden. Selbst eine Überschreitung des Korridors bei der Windenergie reiche nicht aus, um die Ziele zu erfüllen – umso mehr, wenn bei den anderen Erneuerbaren Energien im Stromsektor sowie im Wärme- und Verkehrssektor nicht zugelegt werde.

„Die Bundesregierung steuere auf einen Wortbruch gegenüber der deutschen Energiewirtschaft zu. „Wir fordern deshalb verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, um den notwendigen Ausbau der Erneuerbaren Energien zu schaffen und die Klimaziele zu erreichen“, betont Falk.

„Die EEG-Novelle 2014 hat die Dynamik der deutschen Energiewende stark ausgebremst, auch und gerade im Bereich der Solarstromerzeugung“, sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Während im Ausland immer mehr Regierungen auf Solarenergie setzten, werde in Deutschland aus Warnungen der Solarbranche durch überzogene Förderkürzungen nun traurige Realität.

Der Photovoltaik-Zubau werde dieses Jahr aller Voraussicht nach zum dritten Mal zurückgehen. Die Bundesregierung dürfte ihr selbst gestecktes Zubauziel um mindestens 50 % verfehlen. Zwar rechne sich der Einsatz von Photovoltaik für Eigenheimbesitzer und einige mittelständische Betriebe noch immer. Die Geschäftsmodelle seien heute jedoch erklärungsbedürftiger als in der Vergangenheit. Die anteilige EEG-Umlage auf solaren Eigenverbrauch belaste sie unnötig. Die derzeit im Pilotverfahren befindlichen Ausschreibungsverfahren bei großen Solarparks seien schon aufgrund geringer Volumina und eingeschränkter Standorte nicht in der Lage, den Markttrend zu drehen. „Dazu wäre eine schnelle Reparatur des EEG-Degressionsmechanismus erforderlich, die eine Unterförderung genauso verhindert wie eine Überförderung. Spürbare Mehrkosten wären damit nicht mehr verbunden, da die Kosten von Solarstrom seit Einführung des EEG in den letzten Jahren um 90 Prozent gesunken sind“, sagt Körnig.

„In dem Moment wo die Energiewende zum echten Erfolgsmodell wird, verließ die Bundesregierung der Mut“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Mit dem EEG 2014 sei die Politik u. a. „mit absurden Ausbaukorridoren massiv auf die Bremse getreten“. Die kostengünstige Windenergie habe weiterhin große Ressourcen. Sie sei, wie der weitere Ausbau der Bioenergie und der Solarenergie, unerlässlich um die Gesamtziele bei Klimaschutz und Energiewende zu erreichen. Aber die Vergütungsdegression ab 2016, drohende Ausschreibungen ab 2017 und die Falltür des Paragrafen 24 sowie parallel steigende Zinsen für Kapital seien eine massive Herausforderung. „Wir erwarten, dass die Politik die industriepolitische Chancen der erneuerbaren Technologien auf deutlich wachsenden Weltmärkten besser nutzt und stabile Rahmenbedingungen setzt“, fordert Albers.

„Mit der EEG-Reform fallen die meisten neuen PV-Bürgerprojekte bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit durch. Schon kleinste Zusatzkosten bei der Modulmontage oder der Installation von Wechselrichtern bedeuten das Aus“, sagt Micha Jost, Vorstand der Energiegenossenschaft Starkenburg eG. Durch die Erhöhung der EEG-Umlage sei der Betriebsstrom für die Bürgerwindräder teurer geworden. „Der Bagger für den Braunkohletagebau müsse jedoch keine EEG-Umlage für seinen Strom bezahlen. Diese Logik erschließt sich uns nicht mal auf den zweiten Blick“, so Jost.

„Die neuen Unsicherheiten, die die EEG-Reform bei der Projektierung neuer Windenergieanlagen geschaffen hat, bekommen wir in unserer Arbeit deutlich zu spüren – sei es durch die dynamische Degression der Vergütungssätze ab dem kommenden Jahr, die ab 2017 geltenden Ausschreibungen oder durch die Regelung, dass Anlagen bei negativen Strompreisen aus der Vergütung fallen“, sagt Julian Tiencken, Projektingenieur bei Planet Energy. Das alles führe dazu, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnung neuer Anlagen immer mehr unkalkulierbare Parameter enthalte. Die unternehmerischen Unsicherheiten spielten vor allem bei der Projektfinanzierung eine Rolle. „Noch tragen die Banken diese Entwicklung und die durch die EEG-Reform geschaffenen Unwägbarkeiten zwar mit, sie verlangen jedoch zunehmend mehr Sicherheiten und größere Rücklagen“, so Tiencken.

Positiver äußert sich Erwin Knapek, Vorsitzender des Wirtschaftsforum Geothermie e. V. und Präsident des Bundesverbandes Geothermie e. V. Er verweist darauf, dass seit der Verabschiedung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes im August 2014 die Stromerzeugung bei Geothermie-Projekten um über 12 % gewachsen ist. Geothermie wachse planbar und liefere zuverlässig rund um die Uhr Energie. Damit bleibe Geothermie weiter attraktiv für Gemeinden und Investoren, wie neue Projekte zeigen. „Nun muss die Bundesregierung noch die extrem hohe Degression von 5 Prozent angehen, um langfristig grundlastfähige Energie aus Geothermie im deutschen Strom zu erhalten“, betont Knapek. (hcn)