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27 September 2017 | 11:30

Entega fordert Braunkohleausstiegs-Fahrplan 2021

Das Braunkraftwerk Boxberg der Leag in der Oberlausitz. Die Blöcke haben eine Gesamtleistung von 2575 MW., Bild: Julian Nitzsche  / pixelio.de
Bild: Julian Nitzsche / pixelio.de
Das Braunkraftwerk Boxberg der Leag in der Oberlausitz. Die Blöcke haben eine Gesamtleistung von 2575 MW.
Entega-Chefin Dr. Marie-Luise Wolff schaltet sich in die energie- und klimapolitischen Kapitel bevorstehender Koalitionsverhandlungen ein.

Die Vorstandsvorsitzende der Entega, Dr. Marie-Luise Wolff, fordert eine ehrgeizigere Energiewende und den Einstieg in eine "echte" Mobilitätswende, "bestenfalls schon im Koalitionsvertrag". Das steht in einem vierseitigen, von der Pressestelle des Darmstädter Kommunalversorgers zur Verfügung gestellten "Grundsatzpapier".

Das CO2-Handelssystem habe kontraproduktiv gewirkt, so die Vorstandsvorsitzende, da den "Verschmutzern" ein Überhang von drei Mrd. Zertifikaten oder Tonnen zugestanden worden sei, der die CO2-Preise verhagelt hat. "Gegebenenfalls ist als Übergangsmaßnahme (bis zu einer EU-Einigung) eine CO2-Abgabe sinnvoll", schreibt Frau Wolff und nimmt dabei Bezug auf den angestrebten Koalitionsvertrag zwischen Union, FDP und Grünen.

"Lehre aus Steinkohle-Strukturwandel"

Der vom EU-Parlament am Jahresanfang beschlossene stärkere Reduktionspfad von 2,2 Prozent CO2 pro Jahr von 2021 an (derzeit 1,74 Prozent) in den Emissionshandelssektoren sei "viel zu wenig!" Die Entega-Chefin fordert mindestens fünf Prozent. Auch der Vorschlag von Präsident Emmanuel Macron für einen Mindestpreis von 30 Euro pro Tonne "sollte in Betracht gezogen werden".

Am Ende der Wahlperiode 2021 müsse auch ein Fahrplan und ein Ausstiegsdatum für die Braunkohle stehen. Dafür brauche es "einen am besten schon im Koalitionsvertrag definierten Prozess des Dialogs mit allen Beteiligten". Die 30 000 Beschäftigten bräuchten "schnellstmögliche Sicherheit" über ihre Zukunft – "der quälend lange Strukturwandel bei Steinkohle und Stahl sollte uns eine Lehre sein".

"E-SUV und E-Sportwagen sind Widerspruch in sich"

Ein Einstieg in eine Mobilitätswende solle zwar "natürlich den perspektivischen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor" umfassen, es sei aber zu kurz gegriffen, nur E-Fahrzeuge zu fördern. Fokussieren müsse man auf die Vernetzung der Verkehrsträger hin zu einer emissionsfreien Kette, "sinnvolle" Investitionen in mehr Schienenfernverkehr und Sharingmodelle. Eine "vernünftige" Transportanbindung des ländlichen Raums statt Streckenstilllegungen wäre aus Wolffs Sicht der Beginn einer politischen Tätigkeit gegen die Landflucht.

Zum nötigen Förderrahmen für eine emissionsfreie Mobilität gehöre bei den E-Autos der Ausbau des Ladenetzes – Entega ist darin mit Landes- und Bundesförderung stark engagiert – und Grundlagenforschung für mehr Batteriereichweite. Aber: "Die Produktion einiger E-Luxuskarossen führt nicht zum Ziel." E-SUV und E-Sportwagen seien "ein Widerspruch in sich" und "kaum vermittelbar".

Schwerlast komplett auf die Schiene – oder emissionsfrei

Der Güter- und Schwerlastverkehr gehört nach Ansicht der Entega-Chefin komplett auf die Schiene. Wo das nicht gehe, solle auf emissionsfreie Alternativen zurückgegriffen werden: Brennstoffzelle, Gas, O-LKW. Entega ist bei Letzterem an einem Modellprojekt an der A 5 beteiligt.

Aber auch der Flugverkehr müsse seinen Beitrag leisten, so Wolff. Der Bund solle zur Eindämmung seiner Emissionen selbst eine "kluge" Steuer- und Abgabenpolitik fahren und dafür auch auf EU-Ebene kämpfen. Schrittweise müssten die "wirklichen Preise des Fliegens" abgebildet werden, inklusive Treibhausgas-Schäden. Der Markt regle hier nicht alles. Das zeige die Pleite des Billigfliegers Air Berlin. (geo)

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Zahl des monats

165 000

Megawatt betrug der Zubau an Ökostromleistung weltweit in 2016, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und umfasst nahezu zwei Drittel der neuen Stromerzeugung.