Das Kraftwerk Irsching
Bild: © Rolf Sturm/EON

EU-Kommission genehmigt Kapazitätsreserve

Wer nicht liefern kann, muss kräftig zahlen. Behörde gibt grünes Licht für Mechanismen in sechs europäischen Ländern.

Die Europäische Kommission hat die deutsche Kapazitätsreserve beihilferechtlich genehmigt. Außerdem gab sie ihre Zustimmung zu vergleichbaren Maßnahmen in Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien und Polen. Die EU-Behörde ist der Ansicht, dass die untersuchten Regelungen Versorgungssicherheit schaffen, während sie gleichzeitig den Wettbewerb im gemeinsamen Markt nicht behindern.

Die Kapazitätsreserve soll greifen, wenn es nicht gelingt, Stromangebot und -nachfrage in Deckung zu bringen. Die Genehmigung gilt für bis zu 2 GW Reserveleistung. Zunächst nehmen Übertragungsnetzbetreiber auf Basis einer Ausschreibung Anlagen unter Vertrag. Kommt die Kapazitätsreserve zum Einsatz, müssen Stromlieferanten, die ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllen konnten, kräftig zahlen.

„Starker Anreiz“ zur Absicherung

Der Mindestpreis für die unterdeckten Lieferanten soll 20 000 Euro pro Megawattstunde betragen. Damit, so das Bundeswirtschaftsministerium, haben Lieferanten einen „starken Anreiz“, ihre Lieferverpflichtungen über Termingeschäfte oder Vereinbarungen mit ihren Kunden frühzeitig abzusichern und somit die Reserve erst gar nicht zum Einsatz kommen zu lassen. Der durchschnittliche Großhandelspreis am Day-Ahead-Markt lag im vergangenen Jahr bei 34 Euro pro Megawattstunde.

Die Bundesregierung will nun zügig den rechtlichen Rahmen für die Ausschreibung der Reserve schaffen, teilt das Bundeswirtschaftsministerium mit. Die erste von drei Kontrahierungsphasen soll am 1. Oktober 2019 beginnen.

Unterschiedliche Ansätze

In Belgien und Deutschland hat die Kommission strategische Reserven genehmigt. Diese halten Erzeugungskapazitäten außerhalb des Strommarkts für den Betrieb nur in Notfällen vor. In Italien und Polen soll es marktweite Kapazitätsmechanismen geben. Dies könne notwendig sein, wenn die Märkte mit strukturellen Problemen der Versorgungssicherheit konfrontiert sind. Frankreich und Griechenland setzen auf Mechanismen, die speziell auf die Nachfrage reagieren. Kunden erhalten Anreize, um ihren Stromverbrauch in Stunden zu reduzieren, in denen Strom knapp ist. (wa)