Das Braunkohlekraftwerk Neurath von RWE ist mit einer Leistung von 4400 MW das größte Kraftwerk in Deutschland. Bild: © TelepermM/Wikipedia

Fraunhofer-Studie: Kohleausstieg wäre bis 2030 möglich

Laut Studie sollen bereits 6,1 GW an Braunkohlekraftwerke bis 2020 vom Netz gehen. Alle Meiler, die älter als 20 Jahre sind, werden zudem in der Leistung gedrosselt.

Ein Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 ist nach Ansicht des Fraunhofer-Instituts möglich – ohne die Stromversorgung zu gefährden. Auch das bereits aufgegebene deutsche Klimaziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu verringern, könnte so noch erreicht werden, berechnen die Forscher in einer am Freitag (28. September) veröffentlichten Studie im Auftrag von Greenpeace. «Deutschland kann sich ab 2030 sicher und kohlefrei mit Energie versorgen», erklärte Norman Gerhardt vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft.

Berechnungen der Bundesnetzagentur ergaben dagegen, dass bis 2030 lediglich die Hälfte der Kohlemeiler vom Netz könnte, ohne dass Versorgungssicherheit in Gefahr gerät. Allerdings müsse dazu unter anderem der Netzausbau planmäßig vorankommen.

Kohlekommission verhandelt

Zuletzt hatte ein durchgesickerter Vorschlag aus der Kohlekommission über einen Ausstieg zwischen 2035 und 2038 für viel Ärger gesorgt. Umweltschützer wiesen den Zeitraum als zu spät zurück, Wirtschaftsvertreter als zu früh. Der Kohleausstieg ist unumgänglich, um die globale Erwärmung auf 1,5 oder zwei Grad zu beschränken.

Im Fraunhofer-Szenario wird das älteste Drittel (6,1 GW) der Braunkohlekraftwerke bereits 2020 stillgelegt, alle verbleibenden Braunkohlemeiler (7,4 GW), die älter als 20 Jahre sind, werden in ihrer Leistung gedrosselt. Diese Drosselung wird 2025 auf alle Braunkohleblöcke ausgeweitet, Steinkohlekraftwerke älter als 40 Jahre werden zeitgleich stillgelegt, bis Deutschland 2030 komplett kohlefrei versorgt wird, heißt es. Parallel werden Solar- und Windkraft ausgebaut und der CO2-Preis steigt bis 2030 auf 40 Euro pro Tonne. Moderne Gaskraftwerke mit einer Kapazität von etwa zehn Gigawatt ersetzen die bisherige Wärmeversorgung aus Kohle.

Der politische Mut wäre wichtig

"Nur der Kohleausstieg macht die deutsche Energiewende auch zu einem Erfolg für den Schutz des Klimas", sagt Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters. "Die sauberen Alternativen zur schmutzigen Kohle sind längst da, jetzt muss die Regierung auch den politischen Mut aufbringen."

Die Reduktion von Klimagasen kommt in Deutschland nicht voran. Mit 905 Mio. Tonnen lag der CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr etwa so hoch wie 2009. "Das liegt auch an den wachsenden Mengen Kohlestrom, die Energiekonzerne wie RWE ins europäische Ausland exportiert", hieß es in der Erklärung von Greenpeace. Zwischen 2011 und 2017 haben sich Deutschlands Stromexporte annähernd verzehnfacht auf 55 Mrd. kWh, knapp zehn Prozent der Gesamtproduktion. (dpa/al)