Von links: Dr. Andreas Bett (Fraunhofer ISE), Dr. Michael Nelles (DBFZ), Dr. Manfred Fischedick (Wuppertal Institut), Petra Szczepanski (FVEE) beim Auftakt der FVEE-Jahrestagung gestern in Berlin. Bild: hcn

FVEE: Innovationsdynamik aufrechterhalten

Der Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE) drängt auf einen sozialverträglichen Ausstiegsfahrplan für Kohle noch in dieser Koalitionsperiode.

„Wir müssen uns sehr schnell und sehr intensiv mit der Kohle auseinandersetzen, das Thema brennt unter den Nägeln“, unterstrich Prof. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts und FVEE-Sprecher gestern zum Auftakt der Jahrestagung des Forschungsverbunds in Berlin. Notwendig sei, sich jetzt beispielsweise im Rahmen einer Kommission zusammenzusetzen und sich über einen sinnvollen Weg eines sukzessiven Ausstiegs aus der Kohleverstromung zu verständigen. Dieser müsse einen hinreichenden Beitrag für den Klimaschutz leisten, zugleich aber sozialverträglich ausgerichtet sein und Prozesse in Gang setzen, um für die betroffenen Regionen Jobalternativen zu schaffen, so Fischedick. Auf diese Weise könne auch die nötige Akzeptanz für die weitere Umsetzung der Energiewende gestärkt werden.

Deutschland verliere seine internationale Vorreiterrolle im Klimaschutz, warnen die Forscher. Umso wichtiger sei es, dass die Bundesregierung nun im Vorfeld der UN-Konferenz in Marrakesch einen ambitionierten Klimaschutzplan mit Substanz vorlege. Zudem müsse die Ausdynamik der erneuerbaren Energien aufrechterhalten werden. Diese sei in jüngster Zeit im Zuge der Umstellung von Einspeisetarifen auf Ausschreibungsmodelle bereits abgeflacht. Deshalb gelt es nun ganz genau darauf zu achten, wie diese wirkten und gegebenenfalls nachzusteuern, schreibt der FVEE der Politik ins Stammbuch.

„Momentan erleben wir eine Stagnation bei der Energiewende“, sagte Dr. Andreas Bett, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer ISE. Dies gefährde nicht nur den Klimaschutz, sondern auch Jobs und Innovationskraft. Nötig seien klare, mutige Ziele, auch für eine Dekarbonisierung des Verkehrs. China zeige hier mit seinen Quoten für E-Fahrzeuge den Weg „weg vom Verbrennungsmotor“ auf. Einen ähnlichen Weg gehe Kalifornien mir seinem Clean Energy Act, was einen erheblichen Innovationsschub ausgelöst habe.

Bei der Photovoltaik habe Deutschland bereits seine Produktionsführerschaft an Asien verloren, dies drohe nun auch der deutschen Automobilbranche, warnte Bett. Prof. Michael Nelles, vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig wies auf die drohende Abwanderung von Know-how und Arbeitsplätzen aus Deutschland bei der Anlagentechnik im Bereich Abfallwirtschaft hin. Dagegen unternähmen China, Taiwan und Südkorea derzeit erhebliche Anstrengungen, um Technologien für die energetische Nutzung von Biomasse weiterzuentwickeln.

Mit der Forschungsförderung in Deutschland zeigte sich der FVEE insgesamt zufrieden, doch es fehle eine Umsetzung der Forschungsergebnisse am Markt. Die Jahrestagung des Forschungsverbunds läuft noch bis heute Nachmittag. (hcn)