GAT: Mangelnde Unterstützung der Politik

Die Gaswirtschaft will künftig kräftiger „trommeln“, damit Gas vor allem in Berlin, aber auch in Brüssel stärkere Beachtung erfährt, war auf der GAT zu hören.

Auf der diesjährigen Gat, dem gemeinsam von DVGW und BDEW organisierten Branchentreff der Gaswirtschaft, widmete sich ein Konferenzblock gezielt der  kommunalen Versorgung. Unter dem Titel „Energiewende vor Ort“ ging es um die Frage, welchen Beitrag Gas und Stadtwerke zum Gelingen der Energiewende leisten können.

Dass die Rahmenbedingungen für die Unternehmen nicht optimal sind, beschrieb Oliver Krischer von der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen. Da regenerative Energie immer stärker von Privathaushalten in Eigenregie erzeugt werde, sei eine Netzentgeltreform erforderlich, um auskömmliche Renditen erzielen zu können. Eine Einschätzung, die in der Branche sicher gerne gehört wurde. Dabei spielt nach den Erfahrungen von Krischer die Unternehmensgröße nicht die entscheidende Rolle. Vielmehr komme es für Verteilnetzbetreiber darauf an, richtig aufgestellt zu sein.

Als Hebel für die Energiewende bezeichnete Gerhard Holtmeier, Vorstand der Thüga AG, die Verteilnetze. Besondere Bedeutung komme hier der Konvergenz der Gas- mit den Stromnetzen zu. Dadurch werde eine Möglichkeit geschaffen, die fluktuierende Einspeisung der Erneuerbaren Energien aufzufangen. Beispielsweise auch durch Nutzung der Power-to-Gas-Technologie. Mit Blick auf die derzeit noch hohen Gestehungskosten für die Kilowattstunde „Windgas“ verwies er darauf, dass die Technologie als Systembestandteil und nicht als Konkurrenzprodukt zu Erdgas zu sehen sei. So notwendig eine Konvergenz der Energienetze auch ist, leicht realisierbar scheint sie aufgrund der Kosten für die Versorgungsunternehmen nicht zu sein.

Dietmar Bückemeyer, Chef der Stadtwerke Essen AG, berichtete, dass es aufgrund der Renditeerwartungen der Gesellschafter, hier der Stadt Essen, aktuell vor allem um den Substanzerhalt gehe.

Über die Perspektiven von Gas war man sich nicht nur bei der Diskussionsrunde „Energiewende vor Ort“, sondern auf der GAT generell einig. „Die Chancen für den Energieträger Gas im Energiesystem der Zukunft stehen besser denn je“, sagte Michael Riechel, Vizepräsident des DVGW. Als Grund führte er an, dass die starke Förderung einzelner Erzeugungstechnologien und der massive Stromnetzausbau nicht die gewünschte Wirkung gezeigt hätten.

Im Wärmemarkt, der Stromerzeugung und der Mobilität könne Gas daher in seinen unterschiedlichen Formen einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Allerdings wurde nahezu unisono das Fehlen der politischen Unterstützung bemängelt. „Vielleicht liegt es daran, dass wir zu wenig lautstark agieren“, war auf der Veranstaltung des Öfteren zu hören. Dementsprechend soll künftig kräftiger „getrommelt“ werden, damit Gas vor allem in Berlin, aber auch in Brüssel stärkere Beachtung erfährt.

Dass Veranstaltungen wie die GAT ein guter Impulsgeber sein können, dürfte DVGW und BDEW recht sein. Wie aus dem Kreise der Veranstalter zu hören war, wurde in Essen ein neuer Besucherrekord erzielt. Rund 7300 Branchenvertreter haben demnach an Kongress und Fachmesse teilgenommen. (len)