Russisches Pipeline-Gas versorgt zu großen Teilen Europa. Experten gehen davon aus, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Bild: Gazprom

GAT: Mehr Sensibilität für Gas gefordert

Die Chancen für Erdgas im Energiesystem der Zukunft stehen besser denn je, so DVGW-Vizepräsident Michael Riechel auf einer GAT-Presseveranstaltung.

Als Grund führte er an, dass die starke Förderung einzelner Erzeugungstechnologien und der massive Stromnetzausbau nicht die gewünschte Wirkung gezeigt hätten. Wenn die Energiewende gelingen soll, müssten die spezifischen Vorteile von Gas wie Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und Versorgungssicherheit noch stärker kommuniziert werden, so seine Forderung. Umso bedenklicher sei aktuell jedoch, dass kein deutsches Gaskraftwerk schwarze Zahlen schreibe. Infolgedessen geht Riechel auch nicht davon aus, dass weitere Gas befeuerte Anlagen gebaut werden – zumindest so lange nicht, wie die derzeitigen Strompreise und Marktstrukturen bestehen würden. Notwendig sei, die Sensibilität in der Politik für die guten Produkteigenschaften und die Rolle bei der Energiewende deutlich zu erhöhen.

Die internationalen Perspektivendes Energieträgers beschrieben Vertreter aus den USA, Australien, Norwegen und Deutschland auf dem Kongress. Dabei war man sich weitgehend einig, dass Gas noch erhebliches Potenzial besitze und längerfristig benötigt werde. So berichtete David Caroll vonder IGU über die Gasförderung in den USA. Als größter Produzent von Schiefergas wolle das Land im kommenden Jahr den Export von LNG vorantreiben und dazu bestehende Importterminals in Exportanlagen umwandeln. Ein ähnliches Bild zeichnete Barbara Jinks von der australischen Organisation LNG 18. Nach ihren Worten werde „Down under“ 2016 der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas, das vorrangig in den asiatischen Raum fließe. Trotzdem dürfte auch Europa von dieser Entwicklung profitieren, da international mehr Gas gehandelt wird, was die Diversifikation beim Bezug erhöht und den Wettbewerb stärkt.

Rannveig Sofie Stangeland von der norwegischen Statoil beschrieb die Gasproduktion in ihrem Land als Rückgrat der europäischen Versorgungssicherheit. Immerhin gingen 99 % des Fördervolumens in den Export. Allerdings wünschte sie sich ein stärkeres Bekenntnis der Politik zur Rolle von Gas bei der Energiewende. Das sei ganz entscheidend für die Planungssicherheit der Unternehmen und die Bereitstellung von Investitionen. Christopher Delbrück von Eon Global Commodities kritisierte, dass das Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Ökologie und Wirtschaftlichkeit in einer EU mit 27 unterschiedlichen politischen Strategien nicht funktioniere. Notwendig sei ein einheitlicher marktbasierter Steuerungsmechanismus, um die Bedeutung von Gas im Energie-Mix zu erhöhen. (le)