Für Greenpeace ein sprichwörtliches rotes tuch: das Kernkraftwerk Brockdorf an der Unterelbe
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Greenpeace: "Stromengpässe im Norden verschärfen sich"

Aktuell befasst sich die Bundespolitik mit der Atomgesetznovelle. Grenpeace versucht, die laufende Diskussion in eine gewünschte Richtung zu lenken.

Bis Ende Juni wird die Novelle des Atomgesetzes im Bundestag beraten. Darin soll unter anderem geregelt werden, ob sogenannte Reststrommengen von Atomkraftwerken, die nicht mehr in Betrieb sind, auf andere Meiler übertragen werden dürfen, um diese länger laufen zu lassen. Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy, kritisiert das heftig, denn so „verschärfen sich die Stromengpässe im Norden und vor allem Ökostromanlagen müssten noch öfter abgeschaltet und entschädigt werden“.

In 4.872 Stunden des Jahres 2017 – das ist fast die Hälfte der Zeit – konnten norddeutsche Windkraftanlagen und Solaranlagen keinen Strom ins Netz einspeisen, während Atomkraftwerke in ihrer Nähe weiterliefen. Dies ergibt eine aktuelle Untersuchung des Analyseinstituts Energy Brainpool im Auftrag des Ökoenergie-Anbieters Greenpeace Energy. Marcel Keiffenheim kritisiert dies und fordert, dass nahegelegen Kernkraftwerke zuerst vom Netz müssten, wenn ein Überangebot an Energie besteht.

Eine politische Forderung

Hunderte Anlagen zur Gewinnung Erneuerbarer Energien mit zusammen durchschnittlich 455 Megawatt Leistung waren von der „Vorfahrt für Kernkraft“ betroffen. Energy Brainpool rechnet vor, dass dadurch 2.175 Gigawattstunden Ökostrom verlorengegangen seien. Die Experten fordern, dass den Betreibern der Ökostrom-Anlagen Entschädigung gezahlt werden solle. Greenpeace Energy rechnet vor, dass es sich allein für das Jahr 2017 hier um knapp 200 Mio. Euro handelt.

Mit der Gesetzesnovelle will die Politik ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2016 umsetzen. Das Atomgesetz setzt einen konkreten Termin für das Betriebsende der AKWs fest und legt darüber hinaus die maximale Menge an Elektrizität fest, die noch produziert werden darf. „Es wäre ein Skandal, wenn ausgerechnet die umweltfreundlichen Erneuerbaren auf Jahre blockiert und die Verbraucher zur Kasse gebeten würden, nur um Atomkonzernen lukrative Stromtransfers zu ermöglichen“, sagt Marcel Keiffenheim. (sig)