In Leipzig helfen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks mit, die Wasserwerke Canitz und damit die Wasserversorgung zu sichern. Bild: THW

Hochwasser geht vorerst weiter

Zwar entspannt sich die Hochwasserlage in Passau und Regensburg, dafür steigen die Pegel an Saale und Elbe. Die Versorger kämpfen damit immer noch.

Einen Rekordwert erreichte der Pegelstand der Donau gestern in Passau mit 12,89 m, laut Medien der höchste Wert seit rd. 500 Jahren. In der Altstadt fließt in den betroffenen Straßenzügen seit Sonntag kein Strom mehr. Am Montag stellten die Stadtwerke Passau die Trinkwasserversorgung ein, da eine Verunreinigung der Trinkwasserbrunnen drohe, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den Krisenstab. Pumpen fielen aus. Dennoch sei eine leichte Entspannung in Sicht, da der Inn-Pegel leicht gefallen sei, so der Krisenstab.

Auch in Rosenheim hat sich die Hochwassersituation lt. Einsatzhelfern entspannt. Der Pegel der Mangfall sei inzwischen um mehr als 1 m gesunken, zudem habe ein überspülter Deich keine sichtbaren Schäden gezeigt, so der "Bayerntext". Die Lage soll jedoch noch mindestens zwei Tage kritisch bleiben.

Dafür wachse die Anspannung in Sachsen und Sachsen-Anhalt, berichtet die SZ. Meißen, Halle an der Saale und Dresden drohe eine Überflutung. Das Hochwasser soll noch schlimmer als 2002 werden, für heute (4. Juni) drohen neue Rekordpegel. Die Stadtentwässerung Dresden GmbH lässt ihr Hochwasserpumpwerk Dresden-Johannstadt erstmalig seit der Inbetriebnahme unter realen Bedingungen laufen. Die Anlage soll dazu beitragen, den Dresdner Osten und das Zentrum zu entwässern. Sie pumpt 6000 l/s Mischwasser aus dem Dresdner Abfangkanal in die Elbe. Zusätzlich laufe das Hochwasserpumpwerk in der Kläranlage Dresden-Kaditz mit 17 000 l/s auf Hochtouren. Solange diese Entlastung funktioniere, brauchten sich die Dresdner nicht um ihre Keller sorgen. Steigt der Elbpegel jedoch weiter, will die Stadtentwässerung bei einigen Abwasserpumpwerken die Elektroanlagen demontieren. In diesen dann gefluteten Stadtteilen werde die Abwasserentsorgung voraussichtlich zusammenbrechen.

Die Trinkwasserversorgung in Leipzig und den angrenzenden Gemeinden sei gesichert, teilten die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) mit. Allerdings sei entlang des Flusses Mulde nahe den Wasserwerken Canitz ein Deich gebrochen und habe Flächen überflutet, wo sich auch die Brunnenfassungen der KWL befinden. Derzeit erhöhen hundert Kräfte des Technischen Hilfswerks, von Bundeswehr und Feuerwehr sowie Freiwillige den Schutzdeich, um das Wasserwerk vor einer Überschwemmung zu schützen. Die Wasserwerke laufen daher gedrosselt, sichern aber den Bedarf Leipzigs ab, so die KWL. Vorsorglich chlore der Versorger jedoch das gesamte Wassernetz und nehme mehr Proben als üblich.

Die Stadtwerke Halle (an der Saale) vermeldeten einige planmäßige Stromabschaltungen. Sie überwachen gefährdete Objekte. Auch Teile der Straßenbeleuchtung werden aus Sicherheitsgründen nicht mehr mit Strom versorgt. Der Straßenbahn- und Busverkehr könne teilweise nicht mehr aufrechterhalten werden. Auch der Zugbetrieb im Hafen Halle sei bis auf weiteres eingestellt. Der Abwasser-Hauptsammler der größten Stadt Sachsen-Anhalts sei überflutet, transportiere aber weiterhin das Abwasser in die Kläranlage. Das Pumpwerk Tafelwerde habe man mit einem Sandsackverbau gesichert. Bürger erhalten zum Selbstkostenpreis von 50 ct Sandsäcke und Sand zum Befüllen, um sich so vor dem Hochwasser zu schützen.

EnviaM-Netzbetreiber Mitnetz-Strom meldete gestern, dass 30 000 Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeitgleich ohne Strom waren. Mittlerweile seien es nur noch 11 300 Kunden, davon in Sachsen-Anhalt 2000, in Sachsen 8000 und in Thüringen, wo sich die Versorgungssituation gebessert habe rd. 800 Kunden ohne Strom (Stand 3. Juni 19 Uhr). Hochwasserbedingt wurde das Umspannwerk Frankenberg am Sonntag vom Netz genommen. Mit einer Umschaltung anderer Umspannwerke konnte der Stromausfall teilweise behoben werden. Die Mitarbeiter besetzen derzeit die vom Hochwasser bedrohten Umspannwerke um schnellstmöglichst reagieren zu können. Ein Schaden lasse sich noch nicht beziffern.

Betroffen von dem Hochwasser ist auch der Westen Deutschlands. EnBW schaltete  kleinere Wasserkraftanlagen in Stuttgart ab, größere, wie die in Iffezheim am Oberrhein laufen mit gedrosselter Leistung, so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Auch das Verteilernetz sei aufgrund umgestürzter Bäume und überschwemmter Trafostationen in Mitleidenschaft gezogen. (sg)