Die EU-Staaten müssen ihre grenzüberschreitenden Stromtrassen immer mehr für den europäischen Stromhandel öffnen. Bild: 50 Hertz

Kapazitätsmärkte nur als vorübergehende Lösung

Die Kernelemente der künftigen Energieunion stehen. Der grenzüberschreitende Stromhandel soll in den kommenden Jahren stark forciert werden.

Der VKU begrüßt, dass sich die EU-Regierungen dafür ausgesprochen haben, Netzbetreibern die Nutzung und den Betrieb von netzdienlichen Speichern unter bestimmten Umständen zu gestatten. Wenn die Verteilnetzbetreiber eine stabile und dezentrale Energieversorgung gewährleisten sollen, dann müssten sie auch die notwendigen Werkzeuge dafür an die Hand bekommen, heißt es beim VKU zu den Ergebnissen des EU-Energieministerrats.

Nach stundenlangen Beratungen haben sich die für Energiepolitik zuständigen Minister und Staatssekretäre der 28 EU-Mitgliedstaaten auf die Kernelemente zur Schaffung der Energieunion verständigt. So genannte Kapazitätsmärkte sollen künftig nur vorübergehend zur Lösung von Versorgungssicherheitsproblemen genutzt werden dürfen, sagte Rainer Baake, der deutsche Verhandlungsführer im Energierat und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Mitgliedstaaten haben Zeit, ihre Netze auszubauen

Weiterhin beschlossen wurde, dass die EU-Länder die grenzüberschreitenden Stromleitungen schrittweise immer mehr für den europäischen Stromhandel öffnen müssen, erklärte Baake. Dafür sei ein Zielwert in Höhe von 75 Prozent beschlossen worden, der bis 2025 erreicht werden sollte. Wie dies erreicht werden kann, bleibt den Ländern überlassen. „Das neue Verfahren zum Umgang mit internen Netzengpässen gibt den Mitgliedstaaten Zeit, ihre Netze auszubauen“, sagte Staatssekretär Baake.

Arbeitsgremium für Verteilnetzbetreiber auf europäischer Ebene

Die Länder folgten dem Vorschlag der EU-Kommission zur Gründung eines Repräsentations- und Arbeitsgremiums für Verteilnetzbetreiber auf europäischer Ebene, einer sogenannten „EU DSO Entity“. „Damit erkennen die Mitgliedsstaaten die wachsende Bedeutung der Verteilnetzbetreiber für das Energiesystem an“, heißt es beim VKU. Ein großer Erfolg sei, dass anfängliche Konstruktionsfehler – insbesondere bei der angemessenen Beteiligung  der Verteilnetzbetreiber – beseitigt wurden.

Nach dem Willen des Ministerrates soll allen europäischen Verteilnetzbetreibern die Mitgliedschaft in dem Gremium offen stehen. „Der VKU begrüßt dies“, heißt es in Berlin. Aus Sicht des VKU werde es aufgrund der gestiegenen Anforderungen immer wichtiger, dass Verteil- und Übertragungsnetzbetreiber bei der Entwicklung von Regelwerken gemeinsam agieren könnten.

Bestehende Strompreiszonen können beibehalten werden

Vom BDEW gab es Lob dafür, dass der Energieministerrat die Beibehaltung der bestehenden Strompreiszonen ermöglicht. "Eine Aufteilung würde den bestehenden Leitungsausbauprojekten die Planungsgrundlage entziehen. Zudem würde eine Aufsplittung von Ländern in zwei Gebotszonen zu unterschiedlichen Großhandelspreisen führen – der Strompreis für Verbraucher und Industrie würde dann vom Wohn- bzw. Standort abhängen", erklärte der Verband. (fri)