DEU, Deutschland, Berlin, WECC - Westhafen Event & Convention Center, 05.04.2017: 21. EUROFORUM Jahrestagung "Stadtwerke 2017" (P1107181; http://www.euroforum.de/stadtwerke/).Franzjosef Schafhausen, MinDir a.D., Umweltbundesministerium und Senior Advisor, ewi Energy Research & Scenarios gGmbH.[Foto: Dietmar Gust / EUROFORUM Deutschland; Mobilfon: +49 (0)172 3016574; web: http://www.gustfoto.de, e-mail: info@gustfoto.de]
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"Klimaschutzplan 2050 weiter entwickeln"

"Efficiency first" ist der richtige Ansatz, sagt der Experte Franzjosef Schafhausen. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Energieeffizienz hat Vorrang. Die sauberste Energie ist die, die gar nicht erst erzeugt werden muss. Das ist der Grundgedanke hinter dem Prinzip "Efficiency First", einem der wichtigsten Pfeiler, um die Klimaschutzziele in Deutschland und Europa bis 2050 zu erreichen. Der Vorrang für die Energieeffizienz lässt sich aber nicht allein von oben nach unten verordnen, stellte der Klimaschutzexperte Franzjosef Schafhausen gestern bei einem Impulsvortrag im Rahmen der Stadtwerke-Tagung von Euroforum klar.

Efficiency first müsse gleichzeitig auch ein Bottom-up-Approach sein, warnte der Ministerialdirektor a. D. und ehemalige Leiter der Abteilung "Klimaschutzpolitik, Europa und Internationales" beim Bundesumweltministerium. Die Anwendung dieses Prinzips sei aber der richtige Ansatz, um die Klimaschutzziele in Deutschland und Europa zu erreichen. Gleichzeitig mahnte Schafhausen an, die Vorgaben im Bereich Energieeffizienz zu operationalisieren und zu konkretisieren.

Gebäudesanierung: Steuervergünstigungen zielführender als zinsgünstige Kredite

Die aktuellen Effizienzziele aus dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (Nape) oder dem Grünbuch Energieeffizienz seien nicht neu. Auch über die Potenziale des Gebäudebereichs zur Erreichung der Klimaschutzziele und der Sektorkopplung habe man schon vor Jahrzehnten diskutiert, sagte der Klimaschutzexperte. Nach seiner Erfahrung lassen sich Hauseigentümer leichter über eine steuerliche Vergünstigung zu einer Gebäudesanierung bewegen als über zinsgünstige Kredite.

Der Klimaschutzplan 2050 ist laut Schafhausen ein erster Schritt, der in vielen Bereichen noch sehr abstrakt sei. "Er muss weiterentwickelt werden, um den verschiedenen Akteuren die notwendigen Leitplanken aufzuzeigen für künftige Investitionen", forderte er. Es gebe bereits genügend Grundlagen, auf denen man dabei politisch aufbauen könne.

Auch 2030 noch diverse Energieträger neben Strom

Beim Umbau der Energieversorgung auch die dezentralen Technologien miteinbeziehen, so Schafhausen weiter. Er ist zudem davon überzeugt, dass es auch 2030 noch diverse Energieträger neben Strom geben wird. So werde auch Synthesegas einen Platz in einer treibhausgasfreien Energieversorgung haben. Ob der KWK hingegen künftig eine große oder eher eine dezentrale Rolle zukommen werde, ließ der Experte offen. Die Lösung für den Umbau der Energieversorgung werde aber nicht aus einer Technologie kommen, sondern aus einem Flickenteppich, zu dem laut Schafhausen etwa Speicher, Power to Gas, Power to Liquid etc. gehören werden.

Schafhausen prognostizierte, dass Deutschland seine bis 2020 gesteckten Reduktionsziele von 40 Prozent nicht erreichen werde, aber relativ nah an diesen Zielwert herankommen könnte. Wenn Deutschland diese Vorgabe aber verfehle, werde es schwierig, die Klimaschutzziele für 2030 einzuhalten. Bis dann will die Bundesrepublik ihre Treibhausgasemissionen um 55 Prozent gesenkt haben. "Wenn Deutschland das nicht schafft, wird es auch für Europa schwierig, seine Reduktionsziele von 40 Prozent bis 2030 zu erreichen", erklärte der Ministerialdirektor a. D.. (hoe)