Der Windkraftausbau in Hessen zeigt im kleinen die bundesweiten Probleme bei der Onshore-Entwicklung. Der VKU hat nun vorgelegt, was sich ändern muss.
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Kommunale Energieversorger fordern mehr Einsatz bei Windkraftausbau

Gerade mal ein Windrad ist 2019 in Hessen bislang neu in Betrieb gegangen. Damit die Klimaziele erreichbar bleiben, macht der Verband kommunaler Unternehmen mit einem Positionspapier nun Druck. Das Wirtschaftsministerium sieht andere in der Pflicht.

Der VKU in Hessen hat von der Landesregierung in einem Positionspapier deutlich mehr Einsatz beim Ausbau der Windenergie gefordert. „Klimaneutralität bis 2050 kann in Hessen nur mit Hilfe von Windenergie gelingen. Die aktuellen Genehmigungszahlen sprechen allerdings eine andere Sprache. 2019 wurde erst eine Windenergieanlage genehmigt, in Betrieb genommen sogar noch keine einzige. Diese Stagnation müssen wir überwinden,“ sagte der Vorsitzende der hessischen VKU-Landesgruppe, Ralf Schodlok.

In dem Papier fordern die kommunalen Energieversorger unter anderem ein Monitoring für Ausbauflächen, eine veränderte Vergabepraxis und kürzere Genehmigungsverfahren.

Flächen-Monitoring

Der Ausbau der Windenergie in Hessen und in Deutschland insgesamt ist in diesem Jahr fast zum Erliegen gekommen.Im vergangenen Jahr wurden laut Wirtschaftsministerium 76 Anlagen in Betrieb genommen, davor waren es noch 103.

Um den Ausbau der Windenergie im Land zu beschleunigen, fordert der Verband die Einführung eines Flächen-Monitorings. «Es muss allen Beteiligten klar sein, auf welchen Flächen tatsächlich Windenergieanlagen gebaut werden können. Pläne, die nichts mit der Realität zu tun haben, bringen uns nicht weiter», sagte Schodlok.

Landeseigene Flächen nutzen

Nach VKU-Einschätzung reicht der Plan, zwei Prozent der Landesfläche vorrangig für den Ausbau der Windkraft zur Verfügung zu stellen, nicht zum Erreichen der hessischen Energieziele aus. Zu oft sei der Bau von Windkraftanlagen auf diesen Vorrangflächen wegen anderer Ansprüche oder naturschutzrechtlicher Beschränkungen nicht möglich. Mit dem Monitoring könnte das Land ermitteln, welche Flächen tatsächlich zur Verfügung stünden und wenn nötig nachsteuern.

Auch bei der Verteilung landeseigener Ausbauflächen soll die Landesregierung nach Ansicht des VKU nachbessern, um so die Akzeptanz für Windenergie zu gewähren. «Wir schlagen vor, bei der Vergabe einen Konzeptwettbewerb zu initiieren», sagte Schodlok. Nicht die Höhe des Pachtangebots soll dabei maßgeblich sein, sondern eher weichere Standortfaktoren, wie Bürgerbeteiligung und regionale Wertschöpfung.

Bürgerenergie hat wenig Chancen

Die bisherige Vergabepraxis des Landesbetriebs Hessenforst bevorzuge laut VKU private Bewerber. Bürgerenergiegesellschaften, in denen sich kommunale Energieversorger beteiligen, hätten das Nachsehen, weil sie nicht in gleicher Weise wettbewerbsfähige Gebote abgeben könnten.

In der hessischen Landesgruppe des Verbandes sind 150 kommunale Unternehmen mit mehr als 23 000 Beschäftigten organisiert. Die Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von mehr als 14 Milliarden Euro. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist nach VKU-Angaben mittlerweile eines der Haupttätigkeitsfelder für viele Stadtwerke und kommunale Energieversorger.

Wirtschaftsministerium hält sich bedeckt

Auch an den Genehmigungsverfahren selbst soll die Landesregierung nach Willen des Verbandes Hand anlegen. «Es kann nicht sein, dass sich Verfahren über Jahre hinziehen. Dafür brauchen wir mehr Fachpersonal für die zuständigen Stellen und klare Regeln für den Arten- und Denkmalschutz», sagte Schodlok.

Das Wirtschaftsministerium prüft die VKU-Vorschläge. Eine Bewertung will das Haus aber vorerst nicht abgeben. Grundsätzlich sei jede Initiative mit dem Ziel, den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Hessen voranzubringen, willkommen, teilte ein Sprecher in Wiesbaden mit. Zudem habe in den vergangenen Jahren in Hessen bereits ein deutlicher Ausbau der Windenergie stattgefunden. Die installierte Leistung hat sich nach Ministeriumsangaben zwischen 2014 und 2018 nahezu verdoppelt auf 2163 MW.

Bund ist in der Pflicht

Für den aktuellen Einbruch des Windenergieausbaus sieht das Land den Bund in der Verantwortung. Er entscheide über die Förder- und Ausschreibebedingungen. «Die Bundesregierung droht gerade den Karren an die Wand zu fahren», erklärte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir (Grüne). Es sei nicht erkennbar, wie der notwendige Ausbau der Erneuerbaren Energien wieder zum Laufen gebracht werden soll.

Anpassungen auf Bundesebene reichen nach Ansicht von VKU-Landesguppenchef Schodlok aber nicht aus. Hessische Projekte müssten im bundesweiten Wettbewerb um Ausschreibungen eine realistische Chance haben. «Dafür muss die Landesregierung sicherstellen, dass tatsächlich bebaubare Flächen zur Verfügung stehen, dass Genehmigungsprozesse vorankommen und dass der Windenergieausbau bei der Bevölkerung Unterstützung findet.» (dpa/ls)