Josef Hasler ist der Vorstandsvorsitzende des Nürnberger Kommunalversorgers N-Ergie AG. Bild: N-Ergie

N-Ergie: Bund soll Stromautobahnen kaufen

Der Bund soll die Mehrheit an den Übertragungsnetzbetreibern erwerben, fordert Josef Hasler, der Chef des Kommunalversorgers N-Ergie – mit scharfen Worten.

Der Vorstandsvorsitzende der Nürnberger N-Ergie, Josef Hasler, hat heute gefordert, dass eine neue öffentliche Infrastrukturgesellschaft mittelfristig eine Mehrheit an den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) erwirbt. In einer Presseaussendung des Kommunalversorgers ließ sich Hasler mit einer rhetorischen Frage zitieren: "Ich frage mich ernsthaft, ob der Ausbau der Übertragungsnetze nicht durch eine neue Infrastrukturgesellschaft in öffentlicher Hand erfolgen sollte."

Konkret könne, so Hasler, der Atomlagerfonds des Bundes, der seit einem Monat mit gut 23 Mrd. Euro dotiert ist, zunächst in den Ausbau der deutschen Stromautobahnen investieren. "Perspektivisch" könne er dann die Mehrheit an deren Betreibern übernehmen. In der Tat muss der Fonds sein Kapital anlegen, da bis 2100 mit Lagerkosten von 169 Mrd. Euro gerechnet wird.

"Dann erhalten Bürger ihr Geld zurück"

Hasler sieht folgende Vorteile seines Vorschlags:

  • Die Bürger und der Mittelstand, die den Ausbau des Übertragungsnetzes in zweistelliger Milliardenhöhe über die Netzentgelte zum Großteil bezahlen, würden an den Gewinnen "ihres Beitrags zur Energiewende" beteiligt.
  • Die Renditen aus dem Netzausbau blieben in Deutschland und würden hier reinvestiert.
  • Überall in Europa sei das Übertragungsnetz staatlich. Eine Nationalisierung beende einen deutschen Sonderweg.
  • Es wäre dann leichter, "gleichberechtigt" über Alternativen zu den "überdimensioniert geplanten" Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs(HGÜ)-Leitungen von Nord nach Süd zu diskutieren.


Hasler hatte sich schon vor zweieinhalb Jahren mit Ausbauplänen der ÜNB angelegt und damit auch mit der Bundesnetzagentur und dem Bundeswirtschaftsministerium. Auch jetzt spart er nicht mit angriffslustigen Tönen: Die deutschen ÜNB verdienten mit dem Ausbau "hohe staatlich garantierte Renditen". Diese seien "risikofrei erwirtschaftet".

Bis 2010 gehörten die ÜNB den großen Vier

Aus Sicht des Nürnbergers widersprechen die HGÜ einer dezentralen Energiewende, sie sind ihm zu teuer und sie überrollen dezentrale Erzeugungs- und Ausregelungskonzepte, wie etwa den von Hasler bevorzugten zellulären Ansatz, im Namen des EU-Binnenmarktes.

Die deutschen ÜNB waren bis spätestens 2010 Teil der vier großen deutschen Stromkonzerne, die sie – mit Ausnahme von EnBW – auf Druck der europäischen und deutschen Kartellbehörden abstießen:

  • Der ÜNB Tennet, der sich von Schleswig-Holstein bis Bayern erstreckt, gehört zu 100 Prozent dem namensgleichen staatlich holländischen ÜNB. Er war vorher Teil des Eon-Konzerns.
  • Transnet BW ist eine vollkonsolidierte EnBW-Konzerngesellschaft, und EnBW wiederum gehört zu jeweils fast der Hälfte dem Land Baden-Württemberg und dem dortigen Landkreiskonsortium OEW.
  • 60 Prozent der Anteile an dem ÜNB 50Hertz, der Ostdeutschland und Hamburg ausregelt, hält der staatliche belgische ÜNB Elia. Der Rest ist im Besitz des australischen Infrastrukturfonds IFM Investors. Verkäufer war 2010 Vattenfall.
  • Anteilseigner an dem in Westdeutschland verantwortlichen ÜNB Amprion sind "mit 74,9 Prozent die M 31 Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Energie KG, deren Gesellschafter sich aus einem Konsortium von überwiegend deutschen institutionellen Finanzinvestoren aus der Versicherungswirtschaft und Versorgungswerken zusammensetzen, und mit 25,1 Prozent die RWE AG", so der Geschäftsbericht 2016. (geo)