Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sorgt sich um die Zukunft der Windenergiebranche in seinem Land.
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Niedersachsen steht massiver Abbau alter Windanlagen bevor

In der Küstenregion wurde die Windenergie rasant ausgebaut. Doch viele Anlagen kommen nun in die Jahre - wie es mit ihnen weitergeht ist häufig noch unklar.

Vornehmlich in den nördlichen Landkreisen Aurich, Wittmund, Friesland und Wesermarsch könnten nach Schätzungen der Landesregierung in Hannover bis zu 25 Prozent der Anlagen abgebaut werden. "Was wir in den nächsten Jahren erleben werden, ist, dass der Anlagenbestand möglicherweise sinkt; das geht aber nicht damit einher, dass die Leistung sinkt - weil die Anlagen natürlich immer größer werden", sagte Umweltminister Olaf Lies am Freitag bei der Vorlage seines Energiewendeberichts.

Der SPD-Politiker bescheinigt dem Land darin große Fortschritte. Es kann demnach bereits 60 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energieträgern abdecken und steht bundesweit für mehr als ein Viertel des Windenergie-Zubaus.

Verlässliche Zubaugröße bis 2025 gefordert

Doch mit allem ist Lies längst nicht zufrieden: Die Windenergie-Branche benötige eine verlässliche Ausbauperspektive. "Wir brauchen bis 2025 eine verlässliche Zubaugröße, die nach meiner Vorstellung bei 4000 Megawatt", sagte Lies.

Im vergangenen Jahr habe es einen Zuwachs von gut 5000 Megawatt in Deutschland gegeben. "Wir gehen für das Jahr 2018 von ungefähr 4000 Megawatt Zubau aus", sagte Lies. "Wir gehen für das nächste Jahr dagegen davon aus, dass er gerade mal größer als 2000 Megawatt sein wird." Keine Branche könne es verkraften, innerhalb von zwei Jahren 60 Prozent weniger auf den Markt zu bringen.

"Deckelung bei Offshore-Ausbau aufgeben"

Diese jährlichen Marktschwankungen erklärten auch die Schieflage der Branche, die - etwa durch Sonderausschreibungen des Bundes - stabilisiert werden müsse. Das gelte auch für den Offshore-Ausbau, wo die Deckelung wegfallen müsse. Andernfalls drohe eine dramatische Verschlechterung bei der Zahl der Beschäftigten im Bereich der Erneuerbaren Energien. Etwa der niedersächsische Windkraftanlagenhersteller Enercon hatte Anfang August den Abbau von 835 Stellen angekündigt, vor allem bei Zulieferern in Nordwest-Niedersachsen.

Beim Abbau der veralteten Windenergieanlagen betonte Lies, dass noch unklar sei, wie viele der kleineren Anlagen nach dem Auslaufen der staatlichen EEG-Förderung noch weiterbetrieben oder abgebaut würden. Als weitgehend unwahrscheinlich gilt es aufgrund heutigen Planungsrechts bei einer Betriebseinstellung, dass danach jedes Mal an denselben Orten neue Anlagen errichtet werden können.

Nabenhöhen enorm gewachsen

"Mit den Jahren ist die durchschnittliche Nabenhöhen in Niedersachsen von 50 bis 70 Meter in den 1990er Jahren auf 124 Meter in 2017 gewachsen, was heute einer durchschnittlichen Gesamthöhe von 182 Meter entspricht", teilte Lies' Ministerium mit. Je größer die Nabenhöhe, desto größer bemisst sich auch der nötige Abstand. Mindestens die dreifache Gesamthöhe der Anlage gilt als normaler Abstand zu Wohngebäuden. Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik laut der Deutschen Windguard 29 071 Windenergieanlagen.

Nach deren Daten drehten sich Stand Ende Juni 2018 in Niedersachsen 6277 Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 10 981 Megawatt - vom Abbau betroffen wären also rund 1570 Anlagen. Viele von ihnen wurden noch in den 1990er Jahren gebaut und hatten oft nur geringe Leistungen von 500 bis 1000 Kilowatt. Heute dagegen kommen die größeren Anlagen auf knapp 3000 Kilowatt (3 Megawatt). Für diese technisch anspruchsvolleren Anlagen sind oft neue Genehmigungen nötig, denn auch die Größe der Anlagen hat sich seitdem verändert. (dpa/hil)