Phosphatvorräte reichen für rd. 385 Jahre

Nach einer derzeitigen Schätzung der Bundesregierung reichen die weltweiten Phosphatvorräte noch ca. 385 Jahre.

Die Welt-Phosphatreserven belaufen sich derzeit auf rd. 71 Mrd. t. Dividiert man die aktuellen Reserven durch die Fördermenge des Jahres 2010, dann ergibt sich momentan eine statistische Reichweite von rd. 385 Jahre. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor.

Im Jahr 2005 habe sich die statistische Reichweite für Phosphor hingegen auf lediglich 115 Jahre belaufen. Somit sei ein gewaltiger Anstieg zu verzeichnen, der auf die Neubewertung der Phosphatvorkommen insbesondere in Marokko und der Westsahara sowie dem Irak zurückzuführen sei. Die zusätzlichen weltweiten Ressourcen an Phosphatgesteinen beliefen sich nämlich nach Angaben des US Geological Survey (2012) auf rd. 300 Mrd. t. Für die nächsten fünf Jahre werde damit eine Zunahme der Phosphat-Gewinnungskapazitäten von ca. 26 % erwartet, teilte die Bundesregierung des Weiteren mit.

In den nächsten Jahren werde es also keine Verknappung des Rohstoffs Phosphat geben. Längerfristig könnte es jedoch zu Engpässen und Preissteigerungen kommen, so die Bundesregierung.

Im Wirtschaftsjahr 2010/2011 habe der Absatz phosphathaltiger Düngemittel in Deutschland 286 348 t P2O5 (entsprechend 124 847 t P) betragen. Inlandabsatz und tatsächlicher Verbrauch wichen jedoch z. B. durch Lagerhaltung voneinander ab. Insgesamt importiere Deutschland jährlich ca. 530 000 t Phosphor (P). Davon würden ca. 139 000 t für die Düngemittelindustrie importiert. Relevante Mengen werden der Bundesregierung zufolge auch für die Nahrungsmittelindustrie (ca. 130 000 t) verwendet.

Der Bundesregierung liegen hinsichtlich der mit verschiedenen phosphathaltigen Stoffströmen jährlich verloren gehenden Phosphatmengen keine umfassenden Angaben vor. Lediglich für besonders relevante Stoffströme gebe es Schätzungen: So fielen mit kommunalem und industriellem Abwasser ca. 69 000 t (Kläranlagenzulauf), mit kommunalem Klärschlamm ca. 50 000 t, mit Wirtschaftsdünger ca. 444 000 t, mit Gärrückständen ca. 125 000 t sowie mit tierischen Nebenprodukten ca. 20 000 t/a an.

Den größten Beitrag zur Ressourcenschonung soll die geplante Erhöhung der Pflanzenverfügbarkeit (Löslichkeit) eingesetzter Düngemittel darstellen. So werde insgesamt weniger P benötigt bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Schadstofffrachten.

Für Phosphate selbst gibt es keine mineralischen Ersatzrohstoffe, auch nicht für Phosphatdüngemittel in der Landwirtschaft. Aus diesem Grund werde seit einigen Jahren die Rückgewinnung von Phosphor aus unterschiedlichen Stoffströmen erforscht. Die Entwicklung von Verfahren sei zwar fortgeschritten, in der Praxis gewonnene belastbare Angaben zur Wirtschaftlichkeit lägen aber noch nicht vor. Das größte Rückgewinnungspotential läge in der Klärschlammasche.

So seien die aussichtsreichsten technischen Ansätze zum Phosphatrecycling die Fällung oder Adsorption aus dem Abwasser bzw. Schlammwasser oder Faulschlamm (z. B. MAP-Fällung) direkt auf der Kläranlage oder die Herstellung von Phosphordüngern bzw. Düngemittelkomponenten aus Klärschlammaschen oder tierischen Nebenprodukten nach deren thermischer Behandlung in Monoverbrennungsanlagen. Die technische Machbarkeit habe beim MAP-Verfahren beispielhaft im größeren technischen Maßstab und bei Klärschlammaschen in Pilotanlagen gezeigt werden können.

So werden bereits auf einigen Kläranlagen in Deutschland (z. B. Offenburg, Berlin-Waßmannsdorf) sowie im Ausland MAP-Produkte aus Faulschlamm bzw. Schlammwasser gewonnen, erklärt die Bundesregierung. Die meisten MAP-Verfahren seien mit vergleichsweise einfachen Mitteln umzusetzen. Die Produkte seien von daher verhältnismäßig kostengünstig zu gewinnen und ließen nach vorläufigen Bewertungen eine gute Pflanzenverfügbarkeit erwarten. (msz)