KWK am Flensburger Hafen Bild: Sven Rohweder/pixelio.de

Regierung favorisiert Energy-only-Modell

Im ersten Entwurf des Grünbuchs sieht Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel "Kapazitätsmärkte" nur als Ultima Ratio, schreibt die Presse.

Offiziell heiße es zwar, Gabriel habe sich noch nicht für ein Modell des künftigen deutschen Strommarkts entschieden, so die "Süddeutsche Zeitung". Nach Informationen des Blatts favorisiert die Bundesregierung jedoch einen Strommarkt, der sich weitgehend selbst überlassen bleibt, selbst wenn es zu Engpässen in der Versorgung komme.

Nach Expertenurteilen könnten die bestehenden Kapazitäten eine sichere Versorgung gewährleisten, zitiert die "SZ" aus dem Papier. Demnach komme ein solcher Strommarkt "ohne einen zusätzlichen Kapazitätsmarkt aus". Im Energy-only-Modell wird nur für produzierte Energie gezahlt. Wie sich das Modell auch für konventionelle Kraftwerke lohnt, erläutert das "Handelsblatt" in einem Auszug aus dem Grünbuchentwurf: Durch enorme Preisspitzen in Phasen von Stromknappheit, sollen sich auch Anlagen mit nur wenigen Betriebsstunden rentieren. Laut Studien sind dabei Preisspitzen von bis zu 4000 €/MWh möglich, schreibt die "SZ". Um Blackouts zu verhindern, ist eine Notreserve von Kraftwerken angedacht, die im Bedarfsfall kurzfristig einspringen. Angepeilt sei eine Ausweitung der bisherigen Kraftwerks-Reserve-Regelung bis 2020.

Der Entwurf soll im November der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Danach können alle Beteiligten ihre Einwände einreichen. Ende 2015 sollen die Pläne dann in einem Gesetz niedergeschrieben werden. Aus Sicht des Verbands kommunaler Unternehmen ist ein Kapazitätsmarkt "unumgänglich": "Wir brauchen dringend Investitionen in hocheffiziente konventionelle Energieerzeugungsanlagen, weil sich die Situation, die schon 2013 angespannt war, noch einmal verschärft hat", heißt es von Seiten des Verbands. Ohne die Einführung eines Kapazitätsmarktes könne eine bezahlbare, sichere und nachhaltige Energieversorgung neben den erneuerbaren Energien mittelfristig nicht gewährleistet werden.

Die Bundesregierung sollte auch angesichts ihres "sehr erfreulichen Reformwillens" bezüglich der EEG-Novelle einen Weg finden, wie konventionelle und effiziente Erzeugungsanlagen bezahlbar in den Energiemarkt integriert werden können. Der VKU hatte dazu im März 2013 ein entsprechendes Gutachten für ein integriertes Energiemarktdesign mit einem dezentralen Leistungsmarkt vorgeschlagen, das zwischenzeitlich von der gesamten Energiebranche getragen werde. (sg)