Bild: © H. Hass/Stadtreinigung Hamburg

Schluss mit Wohlstand auf Kosten der Natur: Hessen fordert Ressourcenwende

Deutschland lebt über seine Verhältnisse: Hessens Umweltministerin Hinz hält nun mit einer intensiven Ressourcenschutzstrategie dagegen.

Schon hier und heute reichen die natürlichen Ressourcen für den Lebensstil der Bundesbürger nicht aus. Seit zweiten Mai ist das Kontingent an Rohstoffen für dieses Jahr aufgebraucht, zu spüren bekommen das jedoch erst die künftigen Generationen. Wenn es nach der hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) geht, soll damit aber bald Schluss sein. Sie fordert eine Wende und stellt auf der ersten Ressourcenschutzkonferenz in Wiesbaden erste Ansätze in diese Richtung vor.

Gemeinsam mit Wissenschaft und Wirtschaft entwickelte das hessische Umweltministerium eine Ressourcenschutzstrategie, um Bürger und Unternehmen für den bewussten Einsatz von natürlichen Rohstoffen zu sensibilisieren und Sparpotenziale umzusetzen. So startete bereits 2016 die Initiative „BecherBonus“, die den Einwegbechern den Kampf angesagt hat. Mittlerweile 750 Bäckereien, Cafés und andere Geschäfte währen Rabatt auf Kaffee, wenn die Kunden einen eigenen Mehrwegbecher mitbringen und so auf den Einwegbecher verzichten. Das reduziert Müll und schont die Umwelt.

Schwerpunkt Lebensmittelverschwendung und Phosphorrückgewinnung

Noch dringender ist eine Veränderung im Bereich der Lebensmittelbranche. Immerhin werden 30 Prozent der natürlichen Rohstoffe in Deutschland für die Ernährung verbraucht. Dem gegenüber stehen 35 Prozent an Lebensmitteln, die außer Haus zubereitet werden und anschließend im Müll landen. Im Rahmen des Modellprojekts „Essen in Hessen“ arbeitet die Landesregierung mit Küchen und Gastronomen zusammen, um den Lebensmittelabfall zu reduzieren. Ein digitales Tool erfasst die Müllzusammensetzung, was wiederum Rückschlüsse auf die Ursache des Problems liefert. Lokale und Caterer können dementsprechend ihr Angebot anpassen.

Auch im Bereich der Landwirtschaft und damit im Kern der Lebensmittelerzeugung liegt Potenzial zum Ressourcenschutz. Das große Thema wird hier in den kommenden Jahren die Phosphorrückgewinnung sein. Im Rahmen der Neuausrichtung der Klärschlammverwertung wird die Rückgewinnung des wertvollen Mineralstoffs nach einer Übergangsphase spätestens 2032 bundesweit Pflicht sein. Hessen unterstützt schon heute die Kommunen bei der Verwertung von Klärschlamm, um das für die landwirtschaftliche Düngung erforderliche Phosphor zu extrahieren. (ls)