SRU: Fracking in Deutschland lohnt sich nicht

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat am Freitag eine Stellungnahme zum Fracking veröffentlicht: Fracking sei derzeit wirtschaftlich nicht rentabel.

"Die Gewinnung von Schiefergas in Deutschland wird die Energiepreise nicht senken und auch keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten können", so das Gutachten. Damit bestehe aus deutscher Perspektive auch "kein energiepolitisches Interesse an der Förderung". Denn nach heutigen Kenntnissen, seien die heimischen Potenziale viel zu niedrig, um einen nennenswerten Einfluss auf die Gaspreise in Deutschland zu haben, so die Stellungnahme. Der Rat kommt zu dem Schluss, dass eine Revision der Energie- und Klimapolitik im Hinblick auf das billige Schiefergas in den USA "gänzlich verfehlt wäre".

Da die Umweltrisiken der Schiefergasgewinnung per Fracking nach wie vor ungeklärt seien, und erhebliche Wissenslücken herrschen, dürfe Fracking auf keinen Fall im Einzugsbereich aktueller oder möglicher Trinkwasserschutzgebiete erfolgen. Der SRU empfiehlt stattdessen eine schrittweise Klärung der offenen Fragen, indem zunächst nur Pilotprojekte zugelassen werden. Ungeklärt seien bislang die umweltverträgliche Entsorgung der anfallenden Abwässer, die Sicherheit der Bohrlöcher und Förderanlagen bezogen auf den Grundwasserschutz, die langfristigen Folgen sowie die Klimabilanz von Schiefergas.

Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die Stellungnahme des Sachverständigenrates. "Angesichts der Heilserwartungen, die zum Teil in die Gewinnung von Schiefergas gesetzt werden, ist die Stellungnahme des Umweltrates erfreulich sachlich und stellt die Diskussion vom Kopf auf die Füße", sagte Erhard Ott, Mitglied des Verdi-Bundesvorstands. Man teile die Auffassung des SRU, dass Fracking energiepolitisch nicht notwendig sei und aufgrund gravierender Wissenslücken nicht zugelassen werden sollte. Die Bundestagsfraktion der Grünen sprach angesichts des Gutachtens von einer "Fata Morgana" der fossilen Energiewirtschaft. Diese glaube, dass Fracking eine Perspektive biete, um die Gasproduktion in Deutschland zu erhöhen. Doch die teure Risikotechnologie Fracking sei auf dem Weg zur 100-%igen Energieversorgung aus erneuerbaren Energien mehr Hindernis als Hilfe, so die Grünen.

Anderer Meinung ist der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), der darauf hinweist, dass das Frac-Verfahren schon seit vielen Jahrzehnten gute Erfahrungen mit dem Verfahren habe, das einen wichtigen Beitrag zur Erdgasversorgung leiste und mit Umwelt- und Trinkwasserschutz vereinbar wäre. "Derzeit werden mit der Produktion im Land 12 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs gedeckt; ein Drittel davon geht bereits heute auf den Einsatz des Frac-Verfahrens zurück", so der WEG. (sg)