Steag steigt aus Stromnetzgeschäft aus

Der kommunale Kraftwerksbetreiber Steag hat sein einziges deutsches Stromnetz verkauft. Der Käufer der 450 Kilometer hatte bislang hierzulande nur ein Gasnetz.

Der fünftgrößte deutsche Kraftwerksbetreiber Steag hat seine Strominfrastrukturtochter Steag Netz an die Creos Deutschland verkauft, eine Konzerngesellschaft der Encevo, die mehrheitlich verschiedenen öffentlichen Körperschaften von Luxemburg gehört, und Schwester der Enovos Deutschland ist. Das teilten beide Beteiligten übereinstimmend am Montag zur Vertragsunterzeichnung mit.

Demnach dürfte die kommunalisierte Steag in ihrem Heimatmarkt Deutschland überhaupt kein Stromnetz mehr haben. Eine entsprechende ZfK-Anfrage in Essen läuft. Die Steag bleibt an deutschen Fernwärmenetzen beteiligt, die im Gegensatz zu Stromleitungsinfrastruktur nicht von anderen Wertschöpfungsstufen entflochten sind. Zur Begründung hieß es, der Verkauf sei Teil des Strategieprojektes "Steag 2022", das Divestments in verschiedenen Geschäftsfeldern vorsieht.

Bisher hatte Creos in Deutschland nur Gas

Creos Deutschland erhält mit dem Deal rückwirkend zum Jahresanfang sein erstes Stromnetz: 450 Kilometer lange Hoch-, Mittel- und Niederspannungsleitungen. Es durchläuft das Saarland von Warndt im Südwesten an der lothringischen Grenze bis nach Lebach im Norden und nach Bexbach im Osten an der rheinland-pfälzischen Grenze. Es versorgt mit nur 240 Abnahmestellen Industrie- und Gewerbekunden, Energieerzeuger und Weiterverteiler, aber keine Privatkunden. Früher diente es dem Saar-Bergbau.

Der Käufer setzte sich in einer wettbewerblichen Ausschreibung durch, hieß es beiderseits. Über den Preis sei Stillschweigen vereinbart worden. Alle 26 Mitarbeiter werden übernommen. Creos hat bereits das knapp 1700 Kilometer lange Gas-Hochdrucknetz der früheren Saar-Ferngas im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Die beiden Infrastrukturen überschneiden sich an mehreren Punkten und haben teilweise dieselben Netzkunden. Zudem speisen große Erneuerbaren-Anlagen in das Stromnetz ein.

Vision Sektorkopplung

An einem Nebeneinander von Strom und Gas soll es nach dem Willen von Creos Deutschland langfristig nicht bleiben: "Dies ist insbesondere für das Thema Sektorenkopplung interessant", hieß es aus dem Hauptsitz Homburg/Saar. "Hier können entsprechende Erfahrungen gesammelt werden, um später sinnvoll in Power-to-Gas-Technologie investieren zu können. Hierbei soll insbesondere die Konvergenz zwischen Gas und Strom aufgezeigt werden." (geo)