Fabian Huneke von Energy Brainpool erläutert das Konzept des Bürgerstromhandels.

Stromhandel in Bürgerhand

Auf die Zusammenarbeit mit kommunalen Versorgern setzt ein Vorschlag für einen Bürgerstromhandel. Energy Brainpool erarbeitete ihn im Auftrag des Bündnis Bürgerenergie.

Mit einem Bürgerstromhandel sollen mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. „Wir versprechen uns hiervon einen netzdienlichen Zubau erneuerbarer Energien, neue Verdienstmöglichkeiten für Prosumer und regionale Versorger und einen Impuls für die Energiewende im städtischen Raum“, unterstrich René Mono, Vorstand des Bündnis Bürgerenergie(BBEn) in Berlin.

Die Idee ist, dass private Betreiber von Photovoltaik-Dachanlagen Überschussstrom, den sie zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht selbst nutzen, über das öffentliche Netz an andere Verbraucher in der Nachbarschaft liefern. Dies kann bilateral über einen Rahmenvertrag zustande kommen, über einen elektronischen Marktplatz oder über die Vermittlung durch Energieversorger. In jedem Fall ist der regionale Energieversorger Dienstleister für die Abwicklung und erhält hierfür eine entsprechende Vergütung. Gemessen und abgerechnet wird der gelieferte Überschussstrom über intelligente Messeinrichtungen oder viertelstundengenau über Standardlastprofile des Netzbetreibers, erläuterte Fabian Hunecke von Energy Brainpool. Energy Brainpool hat das Konzept im Auftrag des Bündnis Bürgerenergie erarbeitet.

Hoffnung auf politischen Rückenwind durch Brüssel


Der so gehandelte regenerative Überschussstrom erhält keine EEG-Vergütung mehr, sondern wird direkt von den Abnehmern vergütet. Entsprechend wird für den so gehandelten Strom analog zu den Regelungen für den Eigenverbrauch keine EEG-Umlage erhoben. Zudem wird der Bürgerstrom nur mit einem reduzierten „Nahnetzentgelt“ belastet und es gilt eine reduzierte Stromsteuer. „Es werden nur wenige hundert Meter Strecke des öffentlichen Stromnetzes genutzt und der Bürgerstromhandel regt eine optimale Nutzung der vorhandenen Verteilnetzinfrastruktur an“, begründet Autor Hunecke die anvisierten Reduzierungen.

Unter den jetzigen Rahmenbedingungen sei ein solcher Bürgerstromhandel allerdings nicht zu realisieren, räumte BBEn-Vorstand Mono ein. Er hofft deshalb nun vor allem auf die EU. Denn in den Vorschlägen zur Energieunion wird auch ein Abbau von Hemmnissen für den Stromhandel von Prosumern gefordert. „Wir sehen allerdings mit Sorge, dass das Bundeswirtschaftsministerium gegen diese Pläne Sturm läuft und in Brüssel eine Position vertritt, die nicht bürgerfreundlich ist“, sagte Mono. (hcn)