Von links: Christoph Maurer, Consentec, Tobias Paulun, EEX/EPEX Spot, Wolfram Vogel, EPEX Spot. Bild: H. C. Neidlein

Studie: Kleinere Strompreiszonen teurer

Die Aufteilung des deutschen Strommarktes in zwei Preiszonen würde die Stromkosten um mindestens 100 Mio. € jährlich erhöhen.

Dies ist das Fazit einer Studie zur „Ökonomischen Effizienzanalyse der Einführung kleinerer Gebietszonen“, die EEX und EPEX Spot in Berlin vorstellten. „Die Ergebnisse unserer Analyse warnen deutlich vor einer Aufteilung großer, liquider Gebotszonen“, unterstrich Studienautor Christoph Maurer vom Beratungsunternehmen Consentec. Insbesondere gelte dies für den „bereits integrierten und bewährten deutsch-österreichischen Strommarkt, der durch seine hohe Liquidität den Referenzpreis für Europa setzt“. Zwar könnten bei einer Verkleinerung der Gebotszonen in einigen Fällen die Kosten für eine Veränderung der gemeldeten Kraftwerkspläne, den sogenannten Redispatch, in einigen Fällen gesenkt werden. Gleichzeitig entstünden laufende wirtschaftliche Verluste durch Ungewissheiten bei der Bestimmung der gesamten Übertragungskapazität zwischen beiden Zonen. Die Folge sei eine Erhöhung der Gesamtkosten für die Stromversorgung um rund 100 Mio. € jährlich. Eine rückgängige Liquidität würde die Kosten weiter erhöhen. Dies zeigten auch Erfahrungen aus Regionen mit kleineren Preiszonen wie in Skandinavien.

„Statt der Aufteilung von Gebotszonen sollten Märkte weiter integriert werden. Dafür ist der Netzausbau die einzige gangbare Lösung“, sagte Maurer. Würden die Übertragungsnetze jedoch nicht wie vorgesehen ausgebaut, sei eine Aufspaltung des deutschen Strommarktes in eine Nord- und eine Südzone unausweichlich, unterstrich Tobias Paulun, Chief Strategy Officer der EEX und Mitglied des Management Board von EPEX SPOT. Dies konterkariere auch die Energiewende sowie die weitere Integration des europäischen Strombinnenmarktes, der enorme Kostenvorteile bringe. „Die Blockade Bayern gegen den Netzausbau gefährdet die Grundstruktur der Energiewende“, betonte Dirk Biermann, Chief Markets & Systems Operations Officer des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz. Denn im strukturschwachen Nordosten Deutschlands fehlten die regionalen Abnehmer für den kostengünstig produzierten Windstrom. Wenn die Übertragungsnetze in den Süden nicht wie vorgesehen ausgebaut würden, sei die einzige Alternative dort die Windräder teils abzudrehen, so Biermann. (hcn)