Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander, so das Fazit einer Studie von Ernst & Young. Bild: Fotolia

Studie: NRW-Städte bleiben in der Schuldenspirale

München und Stuttgart haben ihre Verschuldung in den letzten drei Jahren um jeweils 56 % reduziert. In NRW steigen die Schulden gegen den bundesweiten Trend.

Dank steigender Steuereinnahmen kommen gering verschuldete und wirtschaftsstarke Städte beim Schuldenabbau weiter voran, während Städte, die ohnehin hoch im Minus stehen, immer tiefer in die Verschuldung geraten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Sie untersuchte die Verschuldungssituation von Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern in den letzten drei Jahren. Demnach stieg die Zahl der Großstädte mit einer sehr hohen Pro-Kopf-Verschuldung von mehr als 4000 € zwischen 2010 und 2013 von 14 auf 21 Städte. Auf der anderen Seite gebe es immer mehr Großstädte mit einer geringen Pro-Kopf-Verschuldung von weniger als 1000 €: Ihre Zahl sei seit 2010 von 15 auf 19 gewachsen.

Vor allem betroffen sind die nordrhein-westfälischen Großstädte. Der Studie zufolge stieg der Schuldenstand dort von 28,5 auf 29,2 Mrd. €. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung kletterte von 3594 auf 3670 €. – weit über dem bundesweiten Durchschnitt von 2481 €. Von den fünf deutschen Großstädten, deren Verschuldung seit 2010 am stärksten anstieg, liegen vier in NRW. Mit Oberhausen, Hagen und Mühlheim an der Ruhr rangieren zudem drei NRW-Städte unter den Top 5 der Städte mit der bundesweit höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Dabei verzeichnet Mühlheim an der Ruhr auch noch den bundesweit stärksten Schuldenzuwachs mit 99 % auf 1,1 Mrd. €.

Es gebe aber auch positive Ausnahmen in NRW: Die Landeshauptstadt Düsseldorf rangiere der Studie zufolge im Ranking der Städte mit der niedrigsten Pro-Kopf-Verschuldung auf Platz fünf. Die Nachbarstadt Neuss gehöre zu den fünf Städten, die ihre Verschuldung in den vergangenen drei Jahren am meisten reduzieren konnte: um 27 %.

Am stärksten konnten im bundesweiten Vergleich München und Stuttgart ihre Schulden reduzieren, nämlich um jeweils 56 %. Im Falle Münchens sei der Schuldenstand damit um 1,3 Mrd. € zurückgegangen. Daneben fiel der Osten Deutschlands positiv auf. "Es sind allerdings vor allem die ohnehin gering verschuldeten und wirtschaftsstarken Städte, die die hohen Steuereinnahmen nutzen können, um ihre Verbindlichkeiten abzubauen", so Hans-Peter Busson, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, Schweiz und Österreich. Ebenfalls positiv seien die von einigen Bundesländern aufgelegten Kommunalen Rettungsschirme, etwa in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Saarland. Den fünf hessischen Großstädten sei damit ein Schuldenabbau um 5 % gelungen, nachdem ihre Verschuldung in den beiden Vorjahren noch um 31 % angestiegen war.

Insgesamt sei der Trend positiv: Konnten 2011 nur 29 der 72 deutschen Großstädte einen Schuldenabbau vorweisen, waren es 2013 immerhin 40. Die Gesamtverschuldung aller 72 deutschen Großstädte lag Ende vergangenen Jahres bei 47,7 Mrd. € – 0,4 % weniger als im Vorjahr.

Allerdings warnt Busson vor zu großer Euphorie: Derzeit würden die Städte noch von den Niedrigzinsphasen profitieren, die nicht ewig andauern würden. "Wenn die Zinsen aber wieder steigen oder die Banken sich weiter aus dem Geschäft mit den Kommunen zurückziehen, drohen den Städten sehr schnell erhebliche Probleme, weil der große Teil der Schulden kurzfristige Liquiditätskredite sind". (sg)